Ärzten die Landluft schmackhaft machen

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Westfalen – Die Deutschen werden immer älter – das gilt auch für Ärzte. Während die Leistungsnachfrage steigt, sinkt die Zahl der zur Verfügung stehenden Ärzte. Damit in Zukunft vor allem im ländlichen Raum nicht viele Hausarztpraxen leer stehen und eine umfassende medizinische Versorgung gewährleistet bleibt, müssen schon heute Maßnahmen getroffen werden. Das heißt: Das Interesse an der Allgemeinmedizin will geweckt und mit dem Klischee des Landeis aufgeräumt werden. Um die Problematik des Ärztemangels zu diskutieren und Lösungsvorschläge aufzuzeigen, kamen nun Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, und der Münsteraner SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Marquardt zusammen. Marquardt betonte, dass der „Dialog zwischen Politik und Ärztekammer für ein Meistern dieser Herausforderung in der Stadt Münster und im Münsterland notwendig sei.“

Der Münsteraner SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Marquardt und Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, wollen den Nachwuchs in der Allgemeinmedizin auf das Land locken – Foto: Westfalium

Bereits jetzt ist jeder dritte Hausarzt 60 Jahre alt oder älter. Bis 2025 werden in Münster und im Münsterland 2.500 Ärzte altersbedingt ausscheiden, davon sind mehr als die Hälfte ambulant tätig. Wer diese Ärzte ersetzen wird, ist fraglich, fehlt doch der Nachwuchs. Schuld daran sind unter anderem sinkende Studienplatzzahlen sowie eine „Verweiblichung“ der Ärzteschaft mit einem einhergehenden höheren Anteil an Teilzeittätigkeiten. Im Einklang mahnen Windhorst und Marquardt, dass es höchste Eisenbahn sei, dem bevorstehenden Ärztemangel entgegenzuwirken. Windhorst: „Es dauert durchschnittlich zwölf Jahre, einen Arzt fertig auszubilden. Da kann sich ja jeder ausrechnen, dass das bis 2025 fast schon nicht mehr zu schaffen ist.“ Auch das Zurückgreifen auf ausländische Ärzte trägt dauerhaft nicht zur Lösung des Problems bei, leisten diese schon jetzt einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherung. So ist in Westfalen-Lippe knapp jeder zweite Arzt ausländischer Herkunft, auf dem Land ist der Prozentsatz sogar noch wesentlich höher.

Um den Bedarf an hausärztlicher Versorgung in Zukunft decken zu können, muss das Interesse des Nachwuchses an der Allgemeinmedizin bereits an der Universität geweckt werden. Ziel soll sein, an jeder medizinischen Fakultät einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin einzurichten. In Münster wurde dies in die Wege geleitet, auch wenn der Abschluss dieses Unterfangens noch aussteht. Theodor Windhorst wünscht sich dabei, dass dieses Angebot „nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung“ gesehen werde. Zudem müsse man die Potenziale der ländlichen Regionen aktivieren und Anreize für junge Ärzte bieten, sich als Landarzt niederzulassen. Die Aufhebung der Residenzpflicht zum Beispiel erlaubt es Ärzten nun, auf dem Land zu arbeiten und in der Stadt zu leben. Das Hausarztförderprogramm hingegen unterstützt Ärzte, die sich in einer vom Ärztemangel betroffenen Region niederlassen, mit einer finanziellen Förderung. Mit der Nutzung von regionalen Krankenhäusern als akademischen Lehrhäusern und dem Angebot, das praktische Jahr in einer regionalen Hausarztpraxis zu absolvieren, bietet sich Nachwuchsärzten schon während ihrer Ausbildung die Gelegenheit, Landluft schnuppern. Als besonders vorbildlich hat sich in den letzten Jahren die Initiative „Hand aufs Herz – Ärztinnen und Ärzte in den Kreis Borken“ vorgetan, ein Zusammenschluss von fünf Kliniken und 28 Praxen, die die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin fördern. Teil dieser Förderung ist der Praxismonat Allgemeinmedizin, in dessen Rahmen fünf Studierenden aus dem ganzen Land die Möglichkeit erhalten, die Arbeit als Hausarzt und das Leben auf dem Land gleichermaßen kennenzulernen.

 

 


 

 


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