Britische Streikräfte verlassen Münster

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Westfalen – Ein langes Kapitel geht zu Ende: Am 4. Juli 2013 verabschieden sich die Briten nach fast siebzigjähriger Anwesenheit aus Münster. Aus diesem Anlass eröffnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am 1. Juli um 18 Uhr im Rathaus der Stadt Münster am Prinzipalmarkt 10 die Fotoausstellung “Die Briten in Westfalen-Lippe”. Die Ausstellung, die bis zum 14. Juli zu sehen ist, präsentiert ausgewählte Fotos einer Dokumentation, die das LWL-Medienzentrum für Westfalen in den Jahren 2011/12 erstellt hat.

Nach einem halben Jahr der Trennung während eines Afghanistan-Einsatzes haben Vater und Kinder in der Oxford-Kaserne in Münster endlich wieder Körperkontakt bei der Rückkehr des 1st Battalion 'The Yorkshire Regiment'. - Foto: LWL/Sagurna

Nach einem halben Jahr der Trennung während eines Afghanistan-Einsatzes haben Vater und Kinder in der Oxford-Kaserne in Münster endlich wieder Körperkontakt bei der Rückkehr des 1st Battalion ‘The Yorkshire Regiment’. – Foto: LWL/Sagurna

Die Fotoarbeiten entstanden in enger Kooperation mit dem Army Press Office der Britischen Streitkräfte in Deutschland. Mit dieser offiziellen Unterstützung öffneten sich Stephan Sagurna, dem Fotografen des LWL-Medienzentrums, Türen und Kasernentore – um Einblicke in eine Parallelwelt zu erhalten. Nach und nach konnte er die Dokumentation mit der Kamera realisieren, darunter viele “Wunschmotive”, aber immer wieder auch spontane Motive aus dem Lebens- und Arbeits-Alltag der Britischen Streitkräfte.

Vorbereitung eines Afghanistan-Einsatzes: Sa-nitätsübung in der York-Kaserne in Münster mit versehrten Schauspielern, Kunstblut, simulierten Kampfhandlungen im direkten Umfeld und echtem Zeitdruck. - Foto: LWL/Sagurna

Vorbereitung eines Afghanistan-Einsatzes: Sa-nitätsübung in der York-Kaserne in Münster mit versehrten Schauspielern, Kunstblut, simulierten Kampfhandlungen im direkten Umfeld und echtem Zeitdruck. – Foto: LWL/Sagurna

Aus mehreren hundert Bildern hat das LWL-Medienzentrum 27 beispielhafte Fotos ausgewählt, die ab Dienstag, 2.Juli , während der Öffnungszeiten des Rathauses (Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 16 Uhr ) zu sehen sein werden.

Bei der Auswahl haben die Ausstellungsmacher Münster besonders berücksichtigt. So sind Motive aus der Oxford- und der York-Kaserne zu sehen, wie auch eine deutsch-britische Familie. “Die Fotos belegen, dass der Soldatenberuf auch heute noch kein Beruf wie jeder andere ist.

Bei seiner Ausübung haben Begriffe wie Tod, Überleben, Schützen und Töten eine Bedeutung, wie nirgendwo sonst”, erklärt Dr. Hermann-Josef Höper, stellvertretender Leiter des LWL-Medienzentrums. Das Sanitätstraining, bei dem hergerichtete “Stuntmen” und eine akustische Kampfkulisse eine möglichst realistische Situation für die Soldaten simulieren sollten, vermittelte dem Fotografen eine Ahnung davon, welchem Stress die Soldaten im Einsatz ausgesetzt sein können. Der Ausstellungsbesucher kann beim Betrachten des Bildes die Ausnahmesituation erahnen. Wichtig war es den Ausstellungsmachern, Bilder von einzelnen Menschen zu erhalten und nicht der Faszination militärischer Technik zu erliegen.

Momentaufnahme während einer Parade im Rahmen einer Ordensverleihung nach einem sechsmonatigen Afghanistan-Einsatz der 1st Queen's Dragoon Guards, Dempsey Kaserne, Sennelager. - Foto: LWL/Sagurna

Momentaufnahme während einer Parade im Rahmen einer Ordensverleihung nach einem sechsmonatigen Afghanistan-Einsatz der 1st Queen’s Dragoon Guards, Dempsey Kaserne, Sennelager. – Foto: LWL/Sagurna

Ein besonderes Ereignis war es immer wieder, wenn ein Mitglied des britischen Königshau-ses den in Westfalen stationierten Soldaten einen Besuch abstattete und ein offenes Ohr – oder auch einen Orden – für sie hatte”, denkt Sagurna gern an die Höhepunkte der Ausstellungsdokumentation zurück.

Vor über 65 Jahren rückten die Briten am Ende des Zweiten Weltkrieges als Sieger in das Rheinland und in Westfalen ein. Sie halfen mit, das Nachkriegschaos zu bewältigen und ein neues, demokratisches Deutschland aufzubauen. Sie legten die preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen zusammen und gründeten so das Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo auch heute noch die meisten von ihnen stationiert sind. Während des Kalten Krieges wurden sie zu Bündnispartnern. Bevor die Britischen Soldaten in wenigen Jahren aus Nordrhein-Westfalen ausgezogen sein werden, hat der LWL ihre Anwesenheit in Westfalen-Lippe fotografisch dokumentiert.

Um mehr als die Hälfte wurden die britischen Streitkräfte in Deutschland bereits in den 1990er Jahren reduziert. Die Einsatzgebiete derer, die blieben, verlagerten sich in den Irak, nach Afghanistan und in andere Brennpunkte der Welt. Jetzt sind nach den Plänen der bri-tischen Regierung ihre Tage in Nordrhein-Westfalen gezählt. Die Streitkräfte strukturieren sich um und verringern ihren militärischen und zivilen Stab von derzeit noch über 50.000 Menschen, um Deutschland in wenigen Jahren ganz zu verlassen.

Die Fotografen des LWL-Medienzentrums sind mit dem Auftrag der “visuellen Kulturdokumentation” in ganz Westfalen-Lippe unterwegs. Das Spektrum der Aufnahme-Sujets reicht von Landschaftsfotografien über die fotografische Dokumentation historischer und zeitgenössischer Architektur bis hin zu Fotos von Kulturereignissen und Porträtfotografien der Menschen, die der Region ihr Profil geben. Alle Aufnahmen werden über die Bilddatenbank des LWL-Medienzentrums online abrufbar gemacht: http://www.bildarchiv-westfalen.lwl.org.

Die Briten in Westfalen-Lippe: Ausstellung zur Fotodokumentation
Rathaus der Stadt Münster, Prinzipalmarkt 10: 2. bis zum 14. Juli,

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr,  Samstag und Sonntag 10 bis 16 Uhr.

Rathaus der Stadt Münster / Prinzipalmarkt 10 / 48143 Münster

Comments

  1. Derek Castle meint

    Ich habe 31 Jahre in Muenster gewohnt und hatte immer einen guten Kontakt zu den britischen Familien. Leider werde ich die Ausstellung nicht besuchen koennen, aber ich wuensche euch alles Gute.

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