Maler und Musikus sehen sich In Mitten

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Westfalen – Sie sind bereits ein eingespieltes Team: Maler Michael Rickert und Musikus Frank Bennemann. Die beiden Münsteraner haben in der Vergangenheit gemeinsam schon einige Performances hingelegt und von ihnen ist auch noch so einiges zu erwarten.

Foto: Jörg Bockow

Komponist und Musiker Frank Bennemann – Foto: Jörg Bockow

Mit ihrem jüngsten Kunst-Projekt „In Mitten“ lassen sie gewissermaßen einmal wieder die Finger spielen – der Musiker und Komponist Bennemann sogar im wortwörtlichen Sinne gleich auf mehreren Tasteninstrumenten – von der Orgel bis zum Cembalo. Aus den Bausteinen dieses bemerkenswerten Kunst-Musik-Projektes lassen sich gewiss noch weitere Spiele inszenieren. Denn sie bieten Raum für Kontemplation. Eine Zeit voller kostbarer meditativer Momente.

Die Erstaufführung von „In Mitten“  in Münsters altehrwürdiger Kiche St. Joseph am 21. September ermöglichte eine überraschende und inspirierende Erfahrung, die in sich viel mehr war als die Summe ihrer Einzelteile (Musik und Malerei). Es waren rund 250 Zuschauer gekommen, um dem Kunstevent beizuwohnen.

Künstler Michael Rickert

Wichtigstes Verbindungsglied war die beeindruckende Architektur der Kirche und ihr einnehmender Klangkörper. Beides war denn auch viel mehr als bloß der Rahmen für diese Performance: Es war dies sowohl visuell als auch musikalisch ein vielschichtig mitschwingender Resonanzboden.

Die bis in die Tiefe der vielen Farbschichten hinein schillernden Gemälde von Michael Rickert gaben den Anstoß für nachdenkliche Meditationen. Biblische Titel halfen den Betrachtern gewissermaßen gedanklich auf die Sprünge. Nicht zuletzt gaben die eingearbeiteten Metalle wie die winzigen Goldsplitter im Bild „Das goldene Vlies“ zusätzliche Gedankenimpulse. „Die Kunst liegt im Auge des Betrachters“ oder besser noch in dessen Gehirn, hatte denn auch Hirnforscher Prof. Dr. em Erwin-Josef Speckmann in seinem inspirierenden Vorwort geraten und die Besucher aufgefordert ihre „grauen Zelle“ in diese Richtung zu bewegen.

Foto: Michael Rickert

Das Publikum wurde für die Performance auf eine Reise mitgenommen, zu der Kulturdezernent Hans-Peter Boer noch ante portas  in einer launigen Einführung eingeladen hatte. Doch statt eines Labyrinthes erwartete den Besucher ein wohlgeordneter und geführter Parcour durch das Kirchenschiff. Links wurde begonnen, da wo es hieß auch das Böse verortet werden könne. Da hieß es, Platz nehmen vor den ersten Gemälden des Künstlers und dazu erklangen Musikstücke, die die Botschaft aufgriffen und voller Sentiment weitersponnen. Mitunter hatte man auf dieser musikalisch begleiteten Bilderreise („Bilder einer Ausstellung“) den Eindruck, dass die Musik der Malerei in ihren Möglichkeiten Emotionen anzusprechen und Gedanken zu initiieren davonlief.

Foto: Jörg Bockow

Frank Bennemann schreibt zum kontemplativen Ausgangspunkt der Performance und zu seinem musikalischen Impuls: „Die Mehr- bzw. Vieldeutigkeit ist den Bildern förmlich eingeschrieben, sie variiert nicht nur von Rezipient zu Rezipient, sondern ist zudem abhängig vom Betrachtungsstandpunkt (im mehrfachen Sinne) sowie vom Betrachtungszeitpunkt. Diese Mehrdeutigkeit macht eine kontemplative Auseinandersetzung mit der Kunst erst möglich. Das Nachsinnen bzw. die bewusste Anschauung ist angewiesen auf ein Anschauungsobjekt, das des Nachsinnens wert erscheint. Ein weiterer Grund dafür, sich diesen Bildern musikalisch zu nähern, ist für mich darin zu sehen, dass sie über eine feingliedrige Polyphonie verfügen, also in gewisse Sinne selbst schon musikalisch sind. Aus ihnen scheinen mehrere Stimmen zu sprechen bzw. bei intensiverer Betrachtung mehrere Themen nachvollziehbar zu sein.“

Die Bilder von Michael Rickert sind noch bis zum 11. November in der Josephkirche zu sehen. Den Klang muss man sich dabei freilich hinzudenken.

 

 

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