Sinfonischer Orkan braust über Hamm

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Westfalen – Frank Beermann lädt “auf ein Bier mit Beethoven” Ein neuer Gipfelsturm steht auf dem Programm des KlassikSommers 2012: Beethovens “Reden an die Menschheit”, seine musikalische Revolution, alle neun Sinfonien. Weil alle neun Sinfonien ein Gesamtwerk darstellen, braust der sinfonische Orkan der Beethoven-Sinfonien in nur neun Tagen durch Hamm (30. Juni – 8. Juli) – gespielt von der traditionsreichen Robert Schumann Philharmonie unter ihrem Generalmusikdirektor Frank Beermann.

Eine lockere Einführung in diesen “Beethoven-Marathon” gibt Frank Beermann am Freitag, 6. Juli um 18 Uhr in der Gastronomie des Maximilianparks unter dem Titel “Auf ein Bier mit Beethoven”. Der Eintritt dazu ist frei.

Der große deutsche Klassiker steht mit allen seinen Sinfonien ante portas, aber die Tür öffnet sich zuerst für Olga Scheps: am 19. Juni um 20 Uhr. 25 Jahre jung ist die Meisterpianistin, bildhübsch, hinreißend brillant – und seit kurzem in aller Munde: Sie wird gepriesen als “neuer Star am Chopin-Himmel” – und bringt ins Hammer Kurhaus natürlich auch Chopin mit: “Trois nouvelles études”, eine Nocturne, eine Fantasie – schließlich ist Chopin der Meister der virtuosen kleinen Form. Und dann Franz Schubert, mit dem sich Olga Scheps aktuell intensiv auseinandersetzt: Impromptus und Valses nobles, die sie in allen Schattierungen schillern lässt.

Ein großer sinfonischer Auftritt steht am 30. Juni um 20 Uhr in der Alfred-Fischer-Halle am Beginn des Hammer Beethoven-Projekts: “Pastorale” und “Schicksalssinfonie” eröffnen den KlassikSommer. Beethovens Liebe zum Land lässt die 6. Sinfonie deutlich vernehmen. Murmelndes Wasser, Gewitter, Sturm, Bauerntanz und Kuckucksruf sind nicht zu überhören. Mit der Schicksalssinfonie, Nr. 5,  ging Beethoven den “neuen Weg”, den er mit der “Eroica” beschritten hatte, entschieden weiter: Er fasste poetische Ideen und Philosophie in Töne. Die Fünfte reißt von den ersten Tönen an alle Sinne der Zuhörer an sich, ist wahres musikalisches Drama. Die Wiener Allgemeine Musikalische Zeitung feierte diese Sinfonie als “Ausbruch genialer Phantasie, kraftvoller Größe, Bild hoher Leidenschaft”.

Als leichten Widerhall dieses dramatischen Eröffnungskonzertes spielt die Robert Schumann Philharmonie – quasi als Verbeugung vor Beethovens Landliebe – am Morgen des folgenden Sonntages (01.07.) um 11 Uhr in der Scheune von Gut Kump die als heiter und weniger pathetisch geltende Sinfonie Nr. 4, von der es nach der Erstaufführung hieß, sie sei “heiter, verständlich und sehr einnehmend”. Sinfonie Nr. 7 bezeichnete Richard Wagner als “Apotheose des Tanzes”. Doch die freudige Stimmung wird überschattet vom Trauermarsch zu Beginn. In jedem Fall lässt sie die Scheunentore beben, denn eines ist sie unbestritten, diese Sinfonie: monumental. Wenn die Guts-Besucher den Beethoven´schen Klangkosmos durchschritten haben, können sie sich beim anschließenden Brunch-Büffet vom musikalischen Marsch durchs Universum ausruhen (Anmeldung unter Tel. 023 85 – 92 12 60).

Die 1. Sinfonie war Beethovens Starschuss für ein unvergleichliches sinfonisches Werk, sie ist aber im KlassikSommer am 5. Juli um 20 Uhr im Kurhaus Bad Hamm der Appetithappen vor der revolutionären Gipfelstürmerei der “Eroica”. Jeder weiß, dass sie als Huldigung an Napoleon Bonaparte, an die Ideen der Französischen Revolution gedacht war. Und doch hat auch die “Eroica” heitere Passagen, lässt musikalischen Humor aufblitzen.

Den Olymp der klassischen Musik erklimmt die Robert Schumann Philharmonie schließlich am 7. Juli: Dann sprüht “Freude, schöner Götterfunken” um 20 Uhr in der Alfred-Fischer-Halle. Die vertonte “Ode an die Freude” nach Friedrich Schiller war nach 1945 übergangsweise die Hymne der Bundesrepublik, wurde 1972 Europahymne und avancierte in der Pop-Version des spanischen Sängers Miguel Rios zur meistverkauften Hymne aller Zeiten.

Beethoven ging es um einen uralten Menschheitstraum: “Alle Menschen werden Brüder” ist die Vision Schillers, die sich Beethoven musikalisch zu eigen macht. Doch bis der Zukunftstraum vom Chor und den Solisten Julia Bauer(Sopran), Tiina Penttiinen (Mezzosopran), Thomas Piffka (Tenor) und Oliver Zwarg (Bariton) ausgerufen wird, malt Beethoven in der Sinfonie mit Grabesmusik ein zutiefst pessimistisches Menschen- und Geschichtsbild. Zur Irritation vieler revolutionärer Bewunderer macht er dann klar, dass die Vision einer vollkommenen Gesellschaft nur dank Gottes Allmacht möglich ist: “Brüder, überm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen”.

Was kann nach diesem sinfonischen Schlusswort noch kommen?! Ein Sonntags-Frühstück am 8. Juli im Kräutergarten des Maximilianparks zum Beispiel, auf das man sich um 11 Uhr bei der heiteren 2. Sinfonie und der unbeschwert-anmutigen 8. Sinfonie zuvor einstimmt. Denn Ruhepausen müssen bei aller Gipfelstürmerei eingelegt werden, wusste schon Beethoven – und schuf Sinfonien mit dramatischer Spannung, aber auch solche von heiterem oder ausgelassenem Naturell. Einen wahren Kosmos eben!

Tickets gibt es beim städtischen Kulturbüro, unter www.klassiksommer.de und bei allen CTS-Eventim-Vorverkaufsstellen.

 

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