Gemälde voller praller Sinnlichkeit

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Foto: Museum Abtei Liesborn

Westfalen – In diese Früchte man sofort hineinbeißen: Sie sind mit einer solchen Sinnlichkeit gemalt, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. “Stillstehende Sachen” nennt sich eine Ausstellung im Museum der Abtei Liesborn die noch bis zum 29. April einen Dialog zwischen niederländischen Stillleben des 17. Jahrhunderts mit zeitgenössischer Malerei zeigt. Die Schau versammelt über 185 Arbeiten aus der Sammlung SØR Rusche: überwiegend Malerei, außerdem Zeichnungen, Fotografie, Skulpturen und ein Video. An der Gruppenausstellung sind 82 zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler beteiligt sowie 24 Alte Meister. In der Ausstellung sind Arbeiten aus folgenden Ländern vertreten: China, Deutschland, Großbritannien, Italien, Kolumbien, Libanon, Moldawien, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Schweiz, Slowenien, Südafrika, Ungarn, USA.

Obwohl die Stilllebenmalerei von Kunsttheoretikern im 17. Jahrhundert mit unverhohlener Geringschätzung bedacht wurde, erfreute sie sich bei Auftraggebern und Sammlern großer Beliebtheit. Davon zeugen die unzähligen Blumenstillleben, “gedeckten Tische”, Jagbeute-Stillleben, Augentäuscher-Stillleben und Vanitas-Stillleben, die während des sogenannten Goldenen Zeitalters in den Niederlanden entstanden.

In der Kunstwissenschaft dominierte lange Zeit die Auffassung, Stillleben mit Hilfe von Emb-lembüchern entschlüsseln zu können, was stets zu ähnlichen Interpretationen führte. Die Hauptaufgabe von Stillleben bestand demnach darin, an die Vergänglichkeit des Lebens zu erinnern und die Sinnlosigkeit diesseitiger Vergnügungen zu verbildlichen. Darüber hinaus dienten die Stillleben aber auch der Repräsentation von Wohlstand und gesellschaftlichem Status ihrer Besitzer. Darstellungen von chinesischem Porzellan, exotischen Früchten und Pflanzen sowie orientalischen Teppichen zeugen vom weiter werdenden Horizont der führenden Schifffahrtsnation und Handelsweltmacht und dem Interesse an neu entdeckten Ländern.

Foto: Museum Abtei Liesborn

Der Vanitas-Gedanke des Barock-Zeitalters sowie die Freude an augentäuschender Malerei und der malerischen Differenzierung unterschiedlicher Texturen sind Elemente, die sich auch in der zeit-genössischen Stilllebenmalerei wiederfinden lassen. Im 21. Jahrhundert bestimmt jedoch der Künstler, welche Gegenstände darstellungswürdig sind. In der Auswahl und Zusammenstellung der Dinge spiegelt sich nicht selten ein zeitgenössisches Weltbild. Sehr viel öfter kommt darin jedoch eine subjektive und individuelle Aneignung von Welt zum Ausdruck.

Museum Abtei Liesborn des Kreises Warendorf
Abteiring 8
59329 Wadersloh-LiesbornTel.: 02523 / 98 24 0

http://www.museum-abtei-liesborn.de

Öffnungszeiten:
Di – Fr.: 9 bis 12 Uhr und 14-17 Uhr
Samstag und Sonntag: 14 bis 17 Uhr
Montags und an allen Feiertagen geschlossen.

Eintritt frei!

Führungen:
Auf Anfrage durch die ständige Ausstellung und Sonderausstellungen für Gruppen ab 10 Personen.
Englischsprachige Führungen sind möglich.
Das Museum ist in allen Bereichen für Gehbehinderte zugänglich.


 

 


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