Bei Steinrötter: Dreidimensionale Kraftnahrung

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Westfalen – Er ist noch immer ein prächtiges Mannsbild, mit kräftigen Händen und einer unverkennbaren Statur. Lutz Brockhaus ist Bildhauer. Seine im wahrsten Sinne des Wortes unübersehbaren Skulpturen sind in vielen Städten als markante Brunnen und wuchtige Statuen zu bewundern. Aber auch handliche Formate sind sein Ding.

Lutz Brockhaus: Beobachtung (2009)

Lutz Brockhaus: Beobachtung (2009)

In der Galerie Claus Steinrötter sind einige von ihnen gerade ausgestellt – Bronzen in der Mehrzahl, zusammen mit einer Reihe von Grafiken, Zeichnungen und Skizzen. Der Titel der Ausstellung „Zwischenstand 2003 – 2015“. „Jeder Beruf ist im besten Fall auch Berufung. Das ist wichtig für die Freisetzung von Energien, besonders bei einem Bildhauer“, sagt Claus Steinrötter als er seinen Gast bei der Vernissage vorstellt.

Lutz Brockhaus: Kopf mit rotem Haar (2012)

Lutz Brockhaus: Kopf mit rotem Haar (2012)

„Faszinierend beschreiben seine Arbeiten einen künstlerischen Weg, der trotz erkennbarer Handschrift, eine wundersame Breite hat“, freut sich Steinrötter über die Arbeiten. „Brockhaus steht eigenwillig in der Tradition seiner Kollegen bis zur Antike und bezeichnet klar seinen Standpunkt aus seiner Lebensbeziehung heraus. Mit feingestimmten Antennen nimmt er die Situation wahr und setzt sie mit enormem Aufwand um. Er vermanscht seine Eindrücke nicht durch Kompromisse. Daher tänzeln seine Skulpturen nicht durch die Formenwelt, sondern sind Kraftpakete in ihrer Aussage.“

Lutz Brockhaus: Cantu a Tenore (2015)

Lutz Brockhaus: Cantu a Tenore (2015)

Kraftpakete – das ist vielleicht das passende Etikett, das man seinen Figuren und Plastiken anheften kann. Sie haben „Hand und Fuß“ wie eine der Skulpturen bei Steinrötter auch heißt, obwohl viele nur aus einem Torso oder nur aus Köpfen bestehen. Sie scheinen nicht ganz formvollendet und doch ganz fertig zu sein. Sie haben etwas brachiales und manchmal monströses, damit ist für den Betrachter unmittelbar ein Dialog eröffnet. Denn einfach nur Gefallen finden, das wollen diese Skulpturen nicht.

Lutz Brockhaus: Terra Sarda (2007)

Lutz Brockhaus: Terra Sarda (2007)

Der Blick bleibt an ihnen haften oder er wendet sich irritiert ab. Nur einfach schön, das ist nicht das Thema von Lutz Brockhaus. Immer steht der Mensch im Zentrum seiner Arbeiten: Zerbrechlich und gebrochen, unfertig und manchmal einfach nur irre. Brockhaus verkörpert mit seinen Gestalten Seelenzustände.

Lutz Brockhaus: Mondliebe (2009)

Lutz Brockhaus: Mondliebe (2009)

„Darüber hinaus sind sie Begleiter, die ihre Stärke dem mitteilen, der ihre Freundschaft sucht. Mit ihnen gemeinsam kann man antreten,  zu welchen kühnen Taten auch immer…“, verspricht Galerist Claus Steinrötter.

Lutz Brockhaus: Terra e Luna (2007)

Lutz Brockhaus: Terra e Luna (2007)

Lutz Brockhaus, 1945 in Berlin geboren, studierte an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Berlin Bildhauerei und Kunstpädagogik bei Ludwig Gabriel Schrieber und wurde 1971 auch dessen Meisterschüler. Ab 1972 lebt der Künstler in Darmstadt und war Assistent für plastisches Gestalten bei Waldemar Grzimek an der Technischen Hochschule Darmstadt. Bis zur Professur für Bildhauerei an der Fachhochschule Aachen 1981 lehrte Lutz Brockhaus von 1974 an plastisches Gestalten an der Technischen Hochschule Darmstadt, unterbrochen von einem einjährigen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom. Seit 1968 sind Werke von Lutz Brockhaus in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen.

Er lebt und arbeitet in Darmstadt und auf Sardinien. Seine Frau Sabine ist die Tochter des Düsseldorfer Malers Oswald Petersen.

Lutz Brockhaus war Mitglied im Deutschen Künstlerbund und langjähriges Mitglied im Vorstand der Darmstädter Sezession.

Für seine Arbeiten erhielt er 1979 in Rom den Preis der Villa Massimo, Rom und 1999 in Darmstadt den Wilhelm-Loth-Preis.

Galerie Steinrötter / Rothenburg 16 / 48143 Münster
Telefon 0251 – 44400

www.steinroetter.de


 

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