Großbritannien bleibt weiter wichtig

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Münster – Der drohende Austritt Großbritanniens aus der EU war der Auslöser für das NRW-British Economic Meeting, das die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen zusammen mit dem nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium im Januar in Birmingham organisiert hatte. Jetzt war eine britische Delegation bei der IHK in Münster zu Gast, um den Austausch fortzusetzen.

Signal gegen Protektionismus: IHK-Vizepräsidenten Prof. Dr. Ulrich Sick (r.) führte eine Delegation aus Birmingham durch ein zweitägiges Programm in Münster – unter anderem stand ein Austausch im Nano-Bioanalytik-Zentrum auf dem Plan. Foto: IHK

Das Ziel der Initiative ist geblieben, egal, ob es zu einem harten Brexit kommt oder ob doch noch eine Lösung für einen geregelten Austritt gefunden wird: „Die deutsch-britischen Handelsbeziehungen sind zu wichtig“, sagte IHK-Vizepräsident Prof. Dr. Ulrich Sick bei der Begrüßung der Gäste, „wir sollten alles dafür tun, dass sie in jedem Fall erhalten oder sogar ausgebaut werden können“. Sick bezeichnete den Besuch als „Signal gegen Protektionismus und für internationale Zusammenarbeit“.

Insbesondere für Lesley Batchelor, Geschäftsführerin des Instituts für Export & International Trade, sowie für Paula Whitehouse und Kate Angel von der Aston University interessant waren die detaillierten Informationen zur Organisation der betrieblichen Ausbildung durch die IHK. Vor allem das hoheitliche Prüfungswesen und die Qualitätssicherung der Ausbildung durch die IHK beeindruckte die Gäste.

Spätestens seit der Finanzkrise vor gut zehn Jahren und ent-sprechenden britischen Studien gilt die betriebliche Ausbildung als ein wesentlicher Grund, warum Deutschland sich wirtschaftlich stärker entwickelt hat als Großbritannien. Wie viel Engagement dennoch notwendig ist, um junge Menschen zu überzeugen, eine berufliche Karriere mit betrieblicher Aus- und Weiterbildung anzustreben, schilderte Carsten Taudt, Leiter des Geschäftsbereichs Bildung und Fachkräftesicherung.

Auch mit Hilfe von rund 1000 IHK-Ausbildungsbotschaftern und über 500 von der IHK initiierten Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen sei es gelungen, die betriebliche Ausbildung als gleichwertige Alternative zum Hochschulstudium stärker in den Fokus der Schulabgänger zu rücken und die Zahl der Ausbildungsanfänger zu stabilisieren.

Konkret um die Frage, wie nach einem Brexit die Zulassung von Medikamenten in der EU erfolgen kann, ging es Dr. Kequing Wang und May H. Rezai von der Firma MirZyme Therapeutics aus Birmingham. Dazu führten sie ein Gespräch mit Dr. Johannes Kremer, Geschäftsführer der DiaMed Beratungsgesellschaft für pharmazeutische Unternehmen mbH aus Münster.

Zentrales Thema beim deutsch-britischen Austausch war der Technologietransfer von den Hochschulen in die Unternehmen. Prof. Frank Dellmann, Vizepräsident der FH Münster, erläuterte gemeinsam mit Mitarbeitern der Technologietransferstellen von FH und Westfälischer Wilhelms-Universität, wie die Hochschulen mit der Wirtschaft zusammenarbeiten und Forschungsergebnisse in die betriebliche Praxis einfließen.

Dazu diente ebenfalls ein Besuch im Nano-Bioanalytik-Zentrum (NBZ), wo Dr. Klaus Weltring den Bioanalytik e.V. präsentierte, ein regionales Netzwerk aus Hochschulen, Forschungszentren, Unternehmen und Transfereinrichtungen, die sich in dem Verein zusammengeschlossen haben. Gemeinsam mit Dr. Thomas Robbers (Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Münster GmbH) und Matthias Günnewig (Geschäftsleiter der Technologieförderung Münster GmbH), wurden die Gäste aus Großbritannien über die Möglichkeiten für kleine und mittlere Unternehmen informiert, im NBZ innovative Methoden und Geräte für die Nanobioanalytik zu entwickeln.

Zum Thema:

Die nord-westfälische Industrie erzielt über 40 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Großbritannien ist hierbei ein wichtiger Handelspartner: Rund 500 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk exportieren jährlich Waren für etwa 1,6 Milliarden Euro in das Vereinigte Königreich – das sind fast zehn Prozent des gesamten Auslandsumsatzes.

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