Neue Perspektive auf die Welt

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Das Bedürfnis, sich räumlich und mental in der Welt zu verorten, ist im Menschen tief verankert. Wie wir die Welt wahrnehmen und welche Orientierungspunkte wir wählen, wird entscheidend durch Karten geprägt. Mit der Ausstellung „grenzüberschreitend“ widmet sich die Draiflessen Collection in Mettingen bis zum 27. Januar 2019 den Qualitäten der Karte als Projektionsfläche von Welt.

Die Ausstellung „grenzüberschreitend“ offenbart, wie Karten neue Perspektiven auf die Welt eröffnen können; Foto: Joan Blaeiu

Karten vermitteln als Darstellungs- und Kommunikationsmedium bestehende und angestrebte Weltordnungen und tragen dazu bei, diese zu gestalten. Epochenübergreifend werden sie mit Kunstwerken internationaler Künstler in Relation gesetzt, die sich mit der Darstellung von Raum oder dem Einfluss von Karten auf unsere Weltsicht auseinandersetzen. Das Museum Draiflessen möchte mit der Ausstellung das Bewusstsein für die suggestive Kraft von Karten schärfen und neue Perspektiven auf die Welt und bestehende Ordnungen eröffnen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Globalität und territoriale Abgrenzung in ein Spannungsverhältnis treten, kann die Gegenüberstellung von Karten und Kunstwerken die Herkunft und Macht von „Weltbildern“, aber auch ihre Veränderlichkeit bewusst machen.

Die Ausstellung „REISE.BILDER“ beschäftigt sich mit dem Reisebericht des französischen Geografen Nicolas de Nicolai von 1567; Foto: Henning Rogge

Die Ausstellung gliedert sich in drei Bereiche: „Wissen“, „Vorstellungskraft“ und „Macht“: Der Bereich „Wissen“ beleuchtet die Möglichkeiten und Grenzen der Karte als Medium zur Erfassung der Welt. Karten werden oft als Abbilder der Realität auf Basis objektiv gesammelter Daten verstanden. Künstlerische Positionen dekonstruieren oder überwinden tradierte und gegenwärtige Darstellungsmittel sowie Lesarten der Kartografie. Sie zeigen, dass Karten vor allem Konzepte von Wirklichkeit sind, die den Wissensstand und die Perspektive der jeweiligen Kartenmacher abbilden und stets auf der vorhandenen Auswahl von Informationen beruhen. Im Zentrum des Bereiches „Macht“ steht die Entstehung und Legitimierung von Ordnungen und Kräfteverhältnissen durch Karten. Mit der Visualisierung von Größenverhältnissen und Beziehungen werden Machtstrukturen und Einflussbereiche definiert. So formen sich ebenso Identitäten und Zugehörigkeiten von Menschen auf gedanklicher und auf institutioneller Ebene. Der Bereich „Vorstellungskraft“ widmet sich der Karte als Imaginationsraum und kreatives Instrument: Über Karten können alternative Entwürfe zur Wirklichkeit transportiert oder gänzlich neue fiktive Welten erschaffen werden. Die Ausstellung ist eine Einladung, gedanklich Grenzen zu überschreiten und neue Perspektiven auf vertraute Weltbilder zu gewinnen.

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Kabinettausstellung „REISE. BILDER“, die vom 15. November bis zum 17. Februar 2019 zu sehen ist. Sie zeigt die Bedeutung des Reiseberichts vom französischen Geografen Nicolas de Nicolay von 1567 für die europäische Vorstellung der im Osmanischen Reich lebenden Menschen. Im Jahr 1551 beauftragte König Heinrich II. Nicolas de Nicolay, ins Osmanische Reich zu reisen, um dort das fremde Leben, die Sitten und Gebräuche zu studieren. De Nicolay tut dies in einem Bericht, mit zum Teil detailreichen Beschreibungen und 61 ganzseitigen Stichen. Die Ausstellung setzt den Bericht in einen Dialog mit ausgewählten Büchern der Reiseliteratur, Kartografie, mit Trachtenbüchern sowie osmanischen Textilien und Accessoires.

Draiflessen Collection, Georgstr. 18, 49497 Mettingen, Öffnungszeiten Mi-So 11:00-17:00 Uhr, 1. So im Monat 11:00-21:00 Uhr, Tel. 05452/91680, www.draiflessen.com

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