Bildhauer mit unverwechselbarer Formsprache

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Westfalen – Er zählt zu den herausragenden Bildhauern der klassischen Moderne: Wilhelm Lehmbruck. Die Städtische Galerie in der Reithalle Paderborn-Schloss Neuhaus macht vom 11. Mai bis zum 24. August in einer umfassenden Retrospektive mit diesem Wegbereiter der Moderne bekannt.

Beeindruckende Skulpturen. Dte Städtische Galerie Paderborn zeigt in der Reithalle an Schloss Neuhaus eine Lehmbruck-Retrospektive. - Foto: Stadt Paderborn

Beeindruckende Skulpturen. Dte Städtische Galerie Paderborn zeigt in der Reithalle an Schloss Neuhaus eine Lehmbruck-Retrospektive. – Foto: Stadt Paderborn

Durch die unverwechselbare Formensprache seiner Skulpturen hat Wilhelm Lehmbruck (1881-1919) nicht nur viele Zeitgenossen beeinflusst, sondern höchste Anerkennung auf internationaler Bühne erfahren. Der Sohn eines Bergtagelöhners aus Duisburg schuf in nur zwei Jahrzehnten ein bedeutendes und vor allem ausdrucksstarkes Oeuvre. Es ist ein umfangreiches Lebenswerk, das der Bildhauerkunst des vergangenen Jahrhunderts ganz neue Perspektiven aufzeigte.

Das Paderborner Museum zeigt dabei nicht nur 50 Skulpturen der Schaffensjahre 1898 bis 1918 – darunter alle wichtigen Hauptwerke – sondern folgt auch den Spuren Lehmbrucks als Maler, Zeichner, Radierer und Lithograph. Die wertvollen Exponate stammen größtenteils aus dem reichen Fundus des LehmbruckMuseums, das seit 2010 den gesamten Nachlass des Künstlers besitzt. „Was wir Expressionisten suchen ist: präzis aus unserem Material den geistigen Gehalt herauszuziehen. Seinen äußeren Ausdruck“ notiert sich Wilhelm Lehmbruck und arbeitet zeitlebens an diesem Credo. Dabei spielen der Mensch und sein körperlicher Ausdruck stets eine zentrale Rolle in seinem Schaffen.

In der Zeit an der Düsseldorfer Kunstakademie (1901-1906) lässt sich Wilhelm Lehmbruck von den Plastiken Rodins, Meuniers und Maillols beeinflussen, schafft neoklassische Figuren. Als er sich 1910 mit der Familie an der Seine niederlässt, findet er allmählich zu einer eigenständigen künstlerischen Sprache, die ihm den Weg zum Expressionismus ebnet. Seine schmalen Figuren, meist Akte, befreit er von ihrer plastischen Schwere, überlängt Körper und Gliedmaßen, betont Umrisse und tektonischen Aufbau. Raumgreifende Skulpturen, die bereits Zeitgenossen als Sinnbilder eines ’neuen Menschen‘ begreifen.

In Paris freundet sich Lehmbruck mit Künstlern wie Matisse oder Modigliani an und stellt in Kunstsalons aus. Mit der ‚Knienden‘ schafft Lehmbruck den internationalen Durchbruch, er wird schlagartig berühmt. In der Folgezeit begeistert er die Kunstwelt durch Schlüsselwerke der expressionistischen Plastik, beispielsweise die ‚Große Sinnende‘ aus dem Jahre 1913.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges kehrt der Künstler nach Deutschland zurück, lebt in Berlin, hilft in einem Lazarett. Von den grausamen Erfahrungen des Krieges tief deprimiert, erarbeitet Lehmbruck weitere Skulpturen, die heute als Höhepunkt seines Schaffens gelten. So wie den ‚Gestürzten‘ von 1915/16. Es sind von Trauer und Verzweiflung erfüllte Figuren, die das Leiden an der Welt symbolisieren. Trotz öffentlicher Anerkennung zerbricht Wilhelm Lehmbruck am Leben und wählt im Frühjahr 1919 den Freitod.

Mit dieser Ausstellung knüpft die Städtische Galerie in der Reithalle Paderborn-Neuhaus an eine Projektreihe, die sich moderner Bildhauerkunst im 20. Jahrhundert widmet. Aristide Maillol, Ernst Barlach, Alberto Giacometti, Gustav Seitz und Bernhard Heiliger standen bislang auf dem Programm der Reithalle.

Zu der Ausstellung ist ein Katalog, 272 Seiten, 19,50 Euro, erschienen.

Öffnungszeiten des Museums: Di-So 10-18 Uhr, Pfingstmontag und Fronleichnam geöffnet.

Städtische Galerie in der Reithalle Paderborn-Schloss Neuhaus / Im Schlosspark 12 / 33104 Paderborn
Telefon 05251 – 881076
www.paderborn.de/kultur

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