Bischof im Angstloch – demnächst virtuell

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Märkischer Kreis – Demnächst auf der Burg Altena zu sehen – ein virtueller Bischof im Angstloch, im dunklen Verlies. Der Anlass ist nicht klerikal aktueller Art, er ist eine technische Darstellung einer besonderen Kerkerhaft im 14. Jahrhundert. Erinnert wird an Bischof Ludwig II. von Münster. Der hatte 47 Jahre in Münster das Bischofsamt inne. Ein halbes Jahr verbrachte im fensterlosen Verlies des Altenaer Bergfried-Turms. Das war und ist nur zugänglich durch eine enge Öffnung in luftiger Höhe. Glaubt man Wikipedia, hat die Bezeichnung Angstloch nicht unbedingt etwas mit Angst zu tun. Der Ursprung könnte im Lateinischen liegen: angustus „eng“.

Vorbereitungen für die Bischof Projektion - Ein Kletterer seilt sich ins Angstloch Verlies ab, nachdem ein 300 Kilogramm schwere Panzerglasplatte entfernt war - Foto Stephan Sensen/Märkischer Kreis

Vorbereitungen für die Bischof Projektion – Ein Kletterer seilt sich ins Angstloch Verlies ab, nachdem ein 300 Kilogramm schwere Panzerglasplatte entfernt war – Foto Stephan Sensen/Märkischer Kreis

Ludwig II. von Münster ein halbes Jahr eingekerkert

Wie der Pressedienst des Märkischen Kreises berichtet, wird aktuell an der technischen Aufwertung des „Angstloches“ in der Burg Altena gearbeitet. Ziel: Künftig soll beim Blick in das acht Meter tiefe Verlies eine Bischofs-Projektion zu sehen sein. Der Bischof aus Münster stattete 1323 Altena einen unfreiwilligen Besuch ab. Zuvor war er in kriegerischen Auseinandersetzungen in Gefangenschaft geraten. Graf Engelbert II. von der Mark, Burgherr am Altenaer Lennestrand, übernahm das einkerkern. Das war nicht grundsätzlich böse gemeint. Wie so oft, wenn herrschaftliche Herren sich streiten, ging’s ums Geld. 5000 Silbermark Lösegeld nebst strategischer Zugeständnisse standen in Rede, so Wikipedia.
Offensichtlich zu viel für den finanziell klammen Kirchenmann, um das zügig erledigen zu können. Weil zeitnah kein Lösegeld gezahlt wurde, war der Bischof von Pfingsten bis November in Altena inhaftiert, berichten die Schreiber des heutigen Burgherren, der Pressedienst Märkischer Kreis.

Unerwartete Funde: Hufeisen und Eckstein

Überraschung im einstigen Bischof-Verlies - zu den Fundstücken gehörten Tabakwaren aus dem vergangenen Jahrhundert - Foto Bernadette Lange/Märkischer Kreis

Überraschung im einstigen Bischof-Verlies – zu den Fundstücken gehörten Tabakwaren aus dem vergangenen Jahrhundert – Foto Bernadette Lange/Märkischer Kreis

Die Arbeiten am Angstloch sind Teil der „didaktischen und medialen Aufwertung der Museen Burg Altena“, so die weitere Information. Damit der Boden auch als Leinwand für eine Beamer-Projektion taugt, musste im Verlies ordentlich sauber gemacht werden. Kletterer Lars Krückmann übernahm das. Dafür ließ er sich mit dem Seil acht Meter tief hinab. Fundstücke aus dem 20. Jahrhundert sorgten dort übrigens für ein klein wenig Archäologie-Feeling. Dazu gehörten: ein Hufeisen, eine alte Eintrittskarte für die Museen und Zigarettenschachteln der Marken Haus Neuerburg und Eckstein aus den 1920er und 1930er-Jahren.

Digitale Neuerungen bei Ausstellungen

Aktuell sind die Museen des Märkischen Kreises auf der Burg Altena pandemiebedingt geschlossen. Diese Zeit, so die Mitteilung des Märkischen Kreises, wird für die Aufwertung der Ausstellung genutzt. Ermöglicht werden die digitalen Neuerungen mit Hilfe des Förderprogramms „Heimat-Zeugnis“. Die Märkische Kulturstiftung hat rund 1,160 Millionen Euro vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen erhalten, um die Burg Altena und den Weyhe-Park didaktisch und medial aufzuwerten.

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