Werne und Sole – das hat Tradition

Print Friendly, PDF & Email

Die Werner sind stolz auf ihre Sole. Zu Recht, denn Sole hat Tradition in der Lippestadt. Schon 1874 wur­de das „Thermal-Bad zu Werne a.d. Lippe“ eröffnet. 2015 wurde der Badebetrieb eingestellt, um eine neue, moderne Badelandschaft zu bauen. Im April 2019 eröffnete das neue, großzügig ausgestattete Bad – sehr zur Freude der Werner und ihrer Gäste.

Im Solebad Werne kann man ganzjährig draußen schwimmen – Foto: Solebad Werne

Nach Einschätzung des zuständigen Bad-Betriebsausschusses der Stadt Werne sollte das Bad ab 2015 nur zwei Jahre geschlossen bleiben, doch gut Ding braucht bekanntlich Weile. Aus zwei Jahren wurden vier, etwa 17 Millionen Euro flossen in das Projekt, das Wernes Sole-Tradition nicht nur weiterführt, sondern ein besonderes Ausrufezeichen setzt.

Aber der Reihe nach: 1874 machte sich die „Bohrgesellschaft Freiherr von Stein“ da­ran, in Werne, genauer auf einem von Bauer Weghaus gepachteten Grundstück an der Straße nach Münster, nach Kohle zu graben. Statt auf Kohle stieß der Bohrer am 3. Januar jenes Jahres in 548 Metern Tiefe auf eine Solequelle, mit „schäumendem, perlendem Wasser“, wie es ein Jahr später Dr. Franz Hö­vener in Buchform fasste. Das Wasser hatte einen Salzgehalt von ca. 6 Prozent und war 28 bis 30 Grad warm.

Direkt neben dem Bohrloch wohnte seinerzeit der Stellmacher Wiepen, der als erster die heilsame Wirkung des Wassers er­kannte: Die Sole linderte seine Gichtschmer­zen – und das blieb nicht lange „geheim“: Bald kamen Bekannte und Auswärtige, um in Wiepens rasch eingerichteter Badestube Linderung zu erfahren. Der Ansturm war gewaltig, denn es ist überliefert, dass der Badebetrieb täglich bis zu 20 Stunden lief.

Offiziell eröffnet wurde das Thermal-Bad am 28. Juli 1874, vier Jahre später gründete sich die Aktiengesellschaft „Thermalbad Werne“. Zwischenzeitlich war ein „Kur- und Logirhaus“ mit großzügiger Parkanlage entstanden – und es gab sogar für die Kur­gäste einen Taxi-Dienst per Pferdedroschke zwischen Werne und dem Bahnhof Kamen. Doch die Kurort-Romantik währte nicht lange: Schon 1899 entstand die Zeche Werne, die wohl Schuld daran war, dass 1905 die Solequelle gänzlich versiegte.

Da blieb den Wernern nur die Lippe und der „Lippe-Seiten-Kanal“, um Wasserspaß zu erleben. Doch 1926 eröffnete das erste Freibad der Stadt, das 1934 immerhin fast 40.000 Badegäste in einer Saison zählte. Nur ein Jahr später wurde das Freibad erweitert – und konnte mit einer Sensation aufwarten: Das salzhaltige Zechenwasser, das sowieso abgepumpt werden musste, lief durch einen Spezialfilter und durch eine Holzleitung direkt ins neugestaltete Becken im Freibad.

Zusätzlich zum Sole-Freibad eröffnete 1975 das ganzjährig nutzbare Sporthallen­bad mit eigenem Soletrakt mit Innen- und Außenbecken. Die Besucher kamen in Scha­ren: Im Jahr 1979 wurden rund 400.000 Ba­degäste gezählt. Es war an der Zeit, an- und umzubauen. 1988 war es so weit: Das alte Freibad war abgerissen worden und an seiner Stelle entstanden ein 50-Meter-Solebecken sowie ein 50-Meter-Frischwasserbecken samt großer Liege- und Spielwiese. Ab dem Jahr 2000 kommt die Sole nicht mehr aus dem heimischen Bergbau, sondern aus Sülbeck in Südniedersachsen: Die 26-pro­zentige Natursole wird vor Ort auf 6 Prozent verdünnt.

Auch eine Textilsauna wartet auf die Badegäste – Foto: Solebad Werne

Die Zeit verging und ab 2010 stand das Thema Solebad wieder ganz oben auf der Tagesordnung in Werne. Das Hallenbad war doch arg in die Jahre gekommen: Sanierung oder Neubau – das war hier die Frage. Die Entscheidung fiel eindeutig aus: Am 22. Sep­tember 2013 beteiligten sich 71,6 Prozent der Stimmberechtigten am Bürgerentscheid für ein neues kompaktes Familienbad mit Sole, Rutsche, wettkampftauglichem 25-Me­ter-Becken – und 84,2 Prozent Zustimmung ließ keinen Zweifel daran, was die Werner wollten.

Im April 2015 schloss das Bad. Zwei Jah­re später sollte es in neuem Glanz wiederer­öffnen. Aus den zwei Jahren wurden vier – aber das Warten hat sich gelohnt! Am 14. April 2019 endete die solelose Zeit in Werne. Wohl an die 1.000 Wasserfreundinnen und Wasserfreunde kamen zur Eröffnung des größten und modernsten Solebads in der Region – mit Spaß, Sport und Erholung auf mehr als 2.000 Quadratmetern. Ein Highlight für viele Besucher ist das 560 Quadratmeter große Solebecken. Hier kann man das ganze Jahr hindurch bei 33 Grad unter freiem Himmel schwimmen. Im 25 Meter langen Hallenbad-Sportbecken kann man auf fünf Bahnen seine Runden ziehen.

Außerdem warten Sprudelliegen, Mas­sagedüsen, Nackenduschen, Textilsauna sowie Ruheräume mit Kamin und Wasser­betten auf den Badegast. Für Familien mit Kleinkindern ideal ist das Kleinkindbecken im Hallenbad. Eine Attraktion ist die 80 Meter lange Rutsche mit Lichteffekten und Zeitmessung. Natürlich gibt es auch eine gemütliche Bad-Gastronomie und im Som­mer den Freibadbereich mit 50 Meter-Sport­becken und Liegewiese.

Große Schwarz-Weiß-Fotos an den Wän­den im Hallenbad erinnern die Badegäste übrigens an die alte Bad-Tradition. Wie er­innerlich begann die Sole-Ära in Werne am 3. Januar 1874, als bei Bohrungen auf Kohle „schäumendes, perlendes Wasser“ aus der Erde schoss …

Solebad Werne, Am Hagen 2, 59368 Werne, Öffnungs­zeiten Di-Mi 6:00-20:00 Uhr, Do-Fr 6:00-21:00 Uhr, Sa 7:00-21 Uhr, So: 7:00-20:00 Uhr, Tel. 02389/98920, www.solebad-werne.de

WERBUNG

 

Speak Your Mind

*