Der Diwan hebt zum zweiten Mal ab

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Münster – Thomas Nufer, Aktionskünstler aus Münster, mischt einmal mehr Münster auf. Nachdem die im vergangenen Jahr so viele begeisterte Anhänger gefunden hat, lag die Neuauflage bereits in der Luft. Am 31. August und 1. September startet “Der West-Östliche Diwan” zum zweiten Mal auf dem Domplatz in Münster. Der Eintritt ist frei!

Geschichten erzählen wie bei 1001 Nacht – Foto: Jörg Bockow

Nufer will mit der kreativen Aktion zwei Kulturen miteinander ins Gespräch bringen. In Zeiten von wachsendem Fremdenhass in Deutschland ist das ein ebenso bemerkenswertes wie begrüßenswertes Unterfangen. Mit Johann Wolfgang von Goethe ist Nufer davon überzeugt: „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.” (Goethe)

Mit dem “West-Östlichen Diwan”mitten in Münster bringt Aktionskünstler Thomas Nufer eine Idee zum Fliegen. Das Leitmotiv der spektakulären Aktion ist der Austausch der Kulturen – Foto: Thomas Nufer

Verschiedenheit zu akzeptieren heißt, das Fremde nicht als Gefährdung der eigenen Identität zu verstehen. Menschen aus dem deutsch-westfälischen und dem arabisch-persischen Sprachraum gehen an zwei Tagen der Frage nach, wie es sich am angenehmsten mit der Andersartigkeit des Nachbarn leben lässt.

Ein Tee ist nicht zu verachten: Dabei kommt man leicht ins Gespräch – Foto: Jörg Bockow

Das Projekt soll die Vielschichtigkeit und den Einfluss arabisch-persischer auf die europäisch-deutsche Kultur ins Bewusstsein rufen. Nufer weiß: Wer miteinander redet, lernt sich kennen – muss sich nicht von einander abgrenzen.

“Vorausgegangen sind meine Besuche auf dem Marktplatz in Marrakesch, dem Djemaa el-Fna”, erzählt der engagierte Künstler. “2001 wurde dieser als erster Ort in die UNESCO-Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Dort versammeln sich täglich Erzähler, Handwerker, Künstler und Gastronomen und führen  Menschen verschiedenster Herkunft und Sprachen zusammen.”

Auf dem Domplatz kann man buchstäblich auf dem Teppich bleiben – Foto: Jörg Bockow

Der „West-Östliche Diwan” schafft Öffnung durch Neugier – durch Neugier auf die Schönheit der arabischen und persischen Literatur und Poesie sowie umgekehrt auf die deutsche, durch das Interesse an den vielfältigen Ausdrucksformen der Musik und der Originalität des Tanzes aus Orient und Okzident und durch die Lust auf die unterschiedlichen Speisen und Essgewohnheiten.

Auch der Kiepenkerl weiß mit einem klaren Schlückchen ins Gespräch zu kommen – Foto: Jörg Bockow

In spätsommerlicher Leichtigkeit soll die Begegnung auf dem „Diwan” die Besucher einladen, die Welt anders zu betrachten und den Blick zu befreien. Die Devise heißt: Immer schön auf dem Teppich bleiben! Wer gemeinsam erlebt, beginnt anders zu bewerten und zu fühlen. Menschen begegnen sich auf Augenhöhe. Das kollektive Eintauchen in beide Welten, das Teilen von Freude und Stolz über die eigene und die andere Kultur erzeugt ein Gefühl von Gleichrangigkeit und Würde. Das sind entscheidende Erfahrungen für ein gelungenes und friedliches Zusammenleben.

Der „Diwan” soll gleichzeitig vor Augen führen, wie kosmopolitisch die Menschen in Münster denken und wie selbstverständlich sie dies tun. In dieser offenen und weltzugewandten Stadt, die sich stets klar gegen nationalistische Einflüsse abgegrenzt hat, setzt der „Diwan” ein unübersehbares Zeichen. Denn es geht auch darum, der Energie von rechts etwas entgegenzusetzen, mit Ideen, Visionen und dem Willen, sich nicht verdrängen zu lassen.

Auf dem “Diwan” wird gelesen, gespielt, geredet und gemeinsam gegessen – ein Hoch auf die Unterschiede!

Wer mag, kann sich eine Henna-Verzierung auf die Hand malen lassen – Foto: Jörg Bockow

Der west-östliche Diwan

Am Samstag, den 31. August, 20 – 24 Uhr
Am Vorabend, bevor der Markt aufgebaut wird, bieten die auf dem Domplatz ausgebreitete Teppiche den perfekten Ort für erste Begegnungen. Sie sind das bildstarke Symbol einer versöhnten Verschiedenheit – einer Harmonie der Unterschiede. Der Dom wird illuminiert mit Zitaten von Goethe und Hafis.

So 1. September, 16 – 20 Uhr
Der Titel der Veranstaltung ist geprägt von der berühmten Gedichtesammlung „West-Östlicher Diwan”. Goethe ließ sich dafür von den Werken Hafez’, des bedeutendsten persischen Dichters, inspirieren.

Musik verbindet – Foto: Jörg Bockow

Goethe und Hafis bilden als Großskulpturen den optischen Mittelpunkt auf dem Domplatz. Unter ihren Füßen breitet sich das kulturell-kulinarische Leben aus. Syrischer Folk trifft auf den Kleinen Abendländischen Chor, eine Qānūn-Musikerin auf die lokalen „T.Öttchen und P.Umpernickel”. Ein arabischer Kiepenkerl schenkt großzügig Klaren aus und ruht sich aus bei Drostes „Klänge aus dem Orient”. Hafis Gedichte ertönen und der Urfaust tritt auf – in Platt und mit arabischem Akzent. Traditionelle Musik aus dem Libanon mischt sich mit iranischen und deutschen Erzähler*innen. Das Leineweberhaus Ochtrup tanzt persisch und durchs Teleskop eines Astrosophen erkennt man den Himmel okzidental und oriental. Nebenbei vereinen sich Falafel mit Grünkohl, Manakish mit Käsekuchen und marokkanischer Tee mit westfälischem Bier. Und ein west-östliches Herrengedeck feiert seine Wiedergeburt.

Münsteraner aufgepasst: Jeder Bürger ist eingeladen und jeder ist auf dem “Diwan” willkommen. Es wäre ein ermutigendes Zeichen, wenn auf dem Domplatz zum “West-Östlichen Diwan” die gesamte Stadtgesellschaft vertreten wäre – Deutsche, eingesessene Münsteraner, Migranten, Geflüchtete und Ehrenamtliche, die sich besonders den aus dem arabischen Sprachraum stammenden Menschen angenommen haben.

Schirmherrschaft
Oberbürgermeister der Stadt Münster Markus Lewe

Der “West-Östliche Diwan” wird vom Eine-Welt-Forum Münster e.V. veranstaltet.

www.west-ost-diwan.de

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