Theatertreffen: “Im Herzen der Gewalt”

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Münster – Das Theater Bielefeld zeigt beim NRW Theatertreffen in Münster am Freitag, 31. Mai um 19.30 Uhr im Kleinen Haus das Schauspiel »Im Herzen der Gewalt« nach dem autobiographischen Roman von Édouard Louis in der Regie von Alice Buddeberg.

Beim NRW-Theatertreffen in Münster: Inzenierung “Im Herzen der Gewalt” von Édouard Lous am Theater Bielefeld – Foto: Philipp Ottendörfer, Theater Bielefeld

Nach einem mit Freunden verbrachten Heiligabend passiert Édouard, bepackt mit Geschenken, die Place de la République, als er von Reda angesprochen wird. Bezaubert von dem Lächeln, den Augen, dem Atem des völlig fremden Mannes, nimmt er den Algerier mit zu sich nach Hause. Stundenlang lieben sie sich, verkrallen sich ineinander, aus Angst, der Andere könne verschwinden. Und sie erzählen von ihrem Leben: Der Kabyle Reda von seinem Vater, der in den Sechzigern als mittelloser Einwanderer in einem von Rassisten geführten Wohnheim in der Banlieue strandet – der Bretone Édouard von seiner stumpfen Familie, die er nicht einmal an Weihnachten besucht.

Beim NRW-Theatertreffen in Münster: Inzenierung “Im Herzen der Gewalt” von Édouard Lous am Theater Bielefeld – Foto: Philipp Ottendörfer, Theater Bielefeld

Als er entdeckt, dass Reda ihn bestohlen hat, kommt es zum Streit. Der fremde Liebhaber tobt, würgt Édouard, bedroht ihn mit einer Waffe, erniedrigt und vergewaltigt ihn. Als seine Freunde ihn drängen, Reda anzuzeigen, gerät Édouard in die Mühlen einer kalten, diskriminierenden Justizmaschinerie. Er verliert die Macht über sein Leben, seine Geschichte, seine Sprache.

Doch am schlimmsten ist etwas anderes. »Ich war zum Rassisten geworden. Der Rassismus, also das, was ich immer als das meinem Wesen radikal Entgegengesetzte empfunden hatte, das absolut andere meiner selbst, erfüllte mich unvermittelt, ich war die Anderen geworden.«

Regie:

Alice Buddeberg, *1982 in Frankfurt am Main, studierte Schauspielregie an der Theaterakademie Hamburg. Sie inszenierte u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Theaterhaus Jena, am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin, am Schauspiel Frankfurt und am Deutschen Nationaltheater Weimar. 2010 wurde sie mit »Hedda Gabler« zum Festival Radikal jung eingeladen, 2011 mit dem Bremer Kurt-Hübner-Preis ausgezeichnet. Von 2013 bis 2016 war sie Hausregisseurin am Theater Bonn, wo sie u.a. Döblins Roman »Karl und Rosa«, Goethes »Faust I« und »Jenseits von Eden« nach John Steinbeck auf die Bühne brachte. Ihre Bonner Uraufführung von Thomas Melles »Bilder von uns« wurde zu mehreren Festivals eingeladen.

Presse:

»Ein lohnenswerter Theaterabend, der für die perfiden Kollateralschäden eines medial überheizten Rechtsrucks sensibilisiert: Die Empathie droht auf der Strecke zu bleiben, wenn das Individuelle von kollektiven Deutungsmustern instrumentalisiert wird.« (Neue Westfälische, 24. September 2018)

Um 19.00 Uhr findet eine Einführung im Foyer Kleines Haus statt.

Nach der Vorstellung lädt das Theater zu einem Publikumsgespräch ins Foyer ein.

Karten sind an der Theaterkasse (Tel. 5909-100) erhältlich.


 

 


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