Mit Kunst reich werden

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Davon träumen viele: Mit Kunst reich werden. In Zeiten, da lukrative Anlageformen immer rarer werden, preisen Kunsthändler und Galeristen ihre Schätze als interessante Geldanlage an. Eine hübsche Rendite zwischen zehn und 15 Prozent pro Jahr stellen manche in Aussicht. Mit einer kleinen Einschränkung: Wenn es gut läuft. Was also ist dran am Geschäft mit der Kunst?!

Die prächtigen Gemälde der Malerin Sala Lieber erinnern an die altmeisterlichen Arbeiten aus dem Barock. Gerade wegen der geschickten Verfremdung und Brechung der Motive sind ihre Bilder sehr gefragt; Foto: Jörg Bockow

Die in Aussicht gestellte Rendite von zehn bis 15 Prozent pro Jahr wäre mehr als der Geldmarkt derzeit hergibt, mehr auch als anderen Anlageformen wie Immobilien oder Aktien aktuell ausspucken – von Ausnahmen einmal abgesehen. Doch Skepsis ist angebracht. Vorsicht allemal. Wer investieren will, sollte sich umfassend informieren, umschauen und beraten lassen.

Auch eine Investition in Kunst ist spekulativ. Als Anlageform sollte Kunst nur ein Teil des Portfolios sein. Dazu raten die Kunst-Experten, Anlageberater und unisono auch die Galeristen in Westfalen, die wir gefragt haben. Ob ein Künstler oder ein bestimmtes Werk morgen noch von Interesse ist, das weiß niemand vorauszusagen. Daher empfehlen seriöse Kunsthändler vom eigenen Vermögen nur zwischen zehn und 20 Prozent in Kunst anzulegen. Nach Berechnungen der Unternehmensberatung Deloitte ist der Preis für zeitgenössische Kunst seit dem Jahr 2000 im Schnitt jedes Jahr um rund zwölf Prozent gestiegen.

Wie Sagen geistern Berichte von großen Gewinnen durch die Welt. Von gigantischen Auktionsergebnissen ist da die Rede. Wer vor Jahren Arbeiten von Gerhard Richter erworben hat, der darf sich heute als reich bezeichnen. Seine Werke zählen derzeit zu den teuersten Kunstwerken eines lebenden Künstlers. Oder wer zur rechten Zeit bei den Megasellern wie Damian Hirst, Jeff Koons, Takashi Murakami, Andreas Gursky, Matthew Barney und Neo Rauch zugegriffen hat, der kann sich heute genüsslich die Hände reiben. Die Preise für deren Arbeiten sind explodiert.

Gan-Erdene-Tsend: “BlueTie”, Öl auf der Leinwand, 100 x 80 cm. Der Maler Gan-Erdene Tsend stammt aus der Mongolei. Seine poetisch-surrealen Gemälde werden von mehreren Galerien mit Erfolg präsentiert; Foto: Gan-Ergene Tsend

Was aber sagen solche Auktionspreise über den künstlerischen Wert der Werke aus? Gar mancher Kunsthistoriker und Galerist ist da ganz nüchtern: „Nix sagt das aus! Außerdem ist noch nicht ausgemacht, dass diese hochgepuschten Kunstwerke in 50 Jahren noch den Stellenwert genießen, den sie derzeit alleine durch die Spekulationsgewinne bekommen haben.“ Am Ende könnte sich manches Schätzchen sogar als Mega-Flop erweisen.

Was also tun, wenn man Spaß an Kunst hat und zugleich dort ein Teil seines Geldes investieren will? Der Münsteraner Galerist Claus Steinrötter empfiehlt, weniger mit dem Blick auf ein mögliches Geschäft zu kaufen, sondern sich davon leiten zu lassen, was einem gefällt. „Die größte Rendite sollte in der Freude liegen, die man mit einem Kunstwerk hat“, sagt der erfahrene Galerist. Dann, so meint er, könne man am wenigsten enttäuscht werden, wenn sich die Preise nicht so entwickeln wie man sich erhofft hatte. Spaß mit Kunst, die kann man bei Claus Steinrötter durchaus erwerben. Zu den Künstler, die er vertritt, gehören nämlich bekannte Namen wie Uwe Bremer, Klaus Fussmann, Johannes Grützke, Petra Mooshammer, Hermann Reimer, Till Warwas und Carsten Weitzmann.

Mit Kunst kann man kultiviert leben, sich schmücken und zugleich etwas über sich und seine Persönlichkeit ausdrücken. Auf diese Faktoren weist Galeristin Gabriele Hovestadt aus Nottuln hin. Sie tut sich schwer, einen Anlagetipp abzugeben. In ihrem Ausstellungsprogramm setzt sie auf junge Künstlerinnen und Künstler, die bereits einige Ausstellungen hinter sich haben und möglichst mit Kunstpreisen dekoriert worden sind.

„Ich gehe davon aus, dass sich diese noch entwickeln werden und damit auch die Preise, die man für ihre Arbeiten zahlen muss.“ Gabriele Hovestadt hat dabei Künstler wie Isa Dahl, Gan-Erdene Tsend, Hans-Jürgen Diehl, Sala Lieber und Lars Reiffers im Blick. Mit denen hat sie schon zusammengearbeitet und beobachtet deren Entwicklung. Die Inhaberin der Galerie ist gelernte Kunsthistorikerin und kann für ihre Einschätzung auf viel Erfahrung zurückgreifen. Sie arbeitete bei VAN HAM Kunstauktionen in Köln, war langjährige Mitarbeiterin im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster und Galeristin der Galerie Mensing in den Filialen Berlin, Sylt und Mühlheim.

Auf Gan-Erdene Tsend und Sala Lieber hat auch Kunsthistorikerin und Galeristin Christiane Hoffmann in Rheda-Wiedenbrück ein Auge geworfen. Die Inhaberin der Galerie Hoffmann Contemporary Art sagt: „Kunst ist das Investitionsgut, mit dem man gerne lebt. Über den Erwerb der Kunst verbindet man sich mit dem Künstler, dessen Weg man dadurch aktiv begleitet. Das eigene Lebensgefühl wird gespiegelt. Die direkten Zinsen sind die Anerkennung der Gäste, die eigene tägliche Freude daran und die Feststellung, dass die Preise des Künstlers, den ‚man hat‘, gestiegen sind.“

Als Rendite bei Kunstinvestitionen geht Christiane Hoffmann von zehn bis 15 Prozent aus. „Diese Steigerungen haben wir aktuell bei Künstlerinnen und Künstlern unserer Galerie zwischen 2009 und heute.“ Sie bewertet Ausstellungen und Messebeteiligungen als ein wichtiges Kriterium, um Künstler einzuschätzen zu können. Außerdem gelten Messebeteiligungen als ein wichtiges Barometer für die Erfahrungen der Händler. Künstler, deren Werke auf Messen wie der ART COLOGNE, der ART.FAIR Köln, der CAR Essen oder vergleichbaren Veranstaltungen in Hamburg und München gezeigt worden sind, genießen eine größere Wertschätzung und höhere Aufmerksamkeit.

Gemälde, gesehen in der Galerie Steinrötter. Carsten Weitzmann malt skurrile Motive. Sie fordern den Betrachter heraus; Foto: Galerie Klaus Steinrötter

Galerist Claus-Dieter Tholen in Herford findet Kunst als Geldanlage gut. „Sie ist ein Baustein in Verbindung mit vielen anderen zu einer sicheren Geldanlage – wenn man heute überhaupt noch von sicheren Geldanlagen reden kann.“ Allerdings schränkt er ein: „Renditen bei Kunstwerken haben immer mit dem Zeitgeschmack zu tun. Ich rate in deutsche Kunst mit Fotografie und in Arbeiten der 70er bis einschließlich 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu investieren.“ Zu diesem Thema bietet er in seiner Galerie Arbeiten von Gerd Bonfert, Anna und Bernhard Blume, Johannes Brus, Jochen Gerz, Ottmar Hörl und Jürgen Klauke an.

Galerist Kolja Steinrötter zeigt in seiner Galerie FB69 in Münster ein Programm, von dem er künstlerisch überzeugt ist. Das Schielen auf spekulative Renditen ist ihm suspekt. „Hinweise auf mögliche Gewinne halte ich für ein halbseidenes Verkaufsargument“, sagt Kolja Steinrötter. Bei der Frage nach Investitionen in Kunst winkt er ab. „Als Galerist kann ich nix versprechen, deswegen halte ich mich alleine an die Qualität meiner Künstlerinnen.“ Steinrötter vertritt in seiner Galerie nationale und internationale Künstlerinnen. Darunter Namen wie Katharina Arndt, Ana Bagayan, Mary Iverson, Prunelle und Pamela Tait. Sie alle gehen künstlerisch eigene Wege, jenseits des Mainstreams und springen einem deswegen mit ihren Arbeiten ins Auge. Ein großes Potenzial sieht er bei den Arbeiten der Zeichnerin Anke Feuchtenberger. „Die halte ich für die derzeit Beste ihres Faches in Deutschland.“

Alte Werke oder zeitgenössische Kunst? Auf jeden Fall nur bei einem vertrauenswürdigen und erfahrenen Galeristen, so heißt es immer wieder. Bei Gemälden aus den vergangenen Jahrhunderten zählt vor allem der sichere Nachweis der Provenienz. „Finger weg von alten Gemälden, bei denen ein Fachmann nicht genau überprüft hat, woher es kommt“, sagt Kunsthändlerin Maria Galen aus Greven. Sie beobachtet ein wachsendes Interesse an alter Kunst, „weil die zeitgenössische Kunst so unverständlich teuer geworden ist. In diesem Zusammenhang ist auch die Malerei der Alten Meister wieder als Geldanlage gefragt, da man für einen relativ niedrigen Betrag herausragende Objekte erwerben kann. Hier ist der Markt sehr viel stabiler und weniger von Spekulationen betroffen.“

Ganz ähnlich klingt es auch aus dem Munde von Rudi Fred Linke. In seiner RUDIFREDLINKEGALERIE in Münster-Wolbeck hat er in den zurückliegenden fünf Jahren 20 Ausstellungen präsentiert, vor allem mit Arbeiten zeitgenössischer Künstler. Die Bandbreite reicht von Otmar Alt bis Alexander Zachachrov. Linke verfügt über einen gut bestückten Bestand mit einer vielfältigen Auswahl. Auch er verweist auf eine moderate Rendite. „Aber man sollte Geduld haben und bereit sein, zu warten“, rät er. „Wer heute aktuelle Kunst kauft, sollte vor allem Spaß daran haben und mit der Kunst leben wollen.“

Großen Zuspruch bekommt Linke für seine Wiederentdeckungen, darunter die Kunstwerke eines Leo Bögel und Hans Vincenz. „Die expressionistischen und abstrakten Gemälde des Essener Künstlers Vincenz kommen bei unseren Kunden sehr gut an“, berichtet Linke. „Wir haben Arbeiten, die den Meisterwerken seiner berühmten Zeitgenossen in nichts nachstehen.“ Beide Künstler sind im vergangenen Jahrhundert verstorben, Linke sieht in deren Gemälden eine gute Anlagemöglichkeit.

Wenn Künstler verstorben sind und das Oeuvre abgeschlossen, entwickeln sich bei einer verstärkten Nachfrage die Preise. Davon weiß Galerist Eberhard Schnake zu berichten. Schnake vertritt in seiner Kunsthalte Schnake in Münster-Hiltrup Bildhauer aus Zimbabwe. Schon frühzeitig hat der Galerist auch Skulpturen der sogenannten ersten Generation von Bildhauern investiert. „Das war ein Glücksgriff“, erklärt Schnake. „Denn die Arbeiten von Kakoma Kweli, Bernard Matemera, Henry Munyaradzi, Nicholas Mukomberanwa, Fanizani Akuda bis Edward Chiwawa sind inzwischen sehr gefragt.“

Eine wichtige Einschränkung nennen Galeristen immer wieder: Man sollte kein Geld in Kunst investieren, das man eventuell schnell wieder kapitalisieren muss. Denn anders als ein Wertpapier ist ein Kunstwerk meist nicht sofort wieder verkäuflich. Der Kunstmarkt ist also eher für langfristige denn für kurzfristige Investments geeignet ist. Vielfach werden vermutlich erst die Erben erfahren, was die Kunstwerke tatsächlich wert sind.

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