Botschafter wirft Blick auf aktuelle Entwicklung

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Münster  – Einen profunden Blick auf die Entwicklungen in Fernost, die veränderten Rahmenbedingungen und die politischen wie auch wirtschaftlichen Beziehungen gab das 21. Münsteraner Botschaftergespräch am 15. November 2018 mit dem Botschafter von Japan, S. E.Takeshi Yagi.

Auf Einladung des studentischen Corps Rheno-Guestphalia sprach der Botschafter am Donnerstagabend vor über 100 Gästen über die Wirtschaftsbeziehungen zwischen seinem Land und Deutschland.

Empfang der Stadt für den Botschafter Japans, S.E. Takashi Yagi, und seine Gastgeber vom Corps Rheno-Guestphalia im Friedenssaal durch Oberbürgermeister Markus Lewe

Botschafter Yagi bedankte sich nach der Begrüßung durch den 20 jährigen Senior des Corps, den Jurastudenten Nick Niemeier, in launiger Weise. NRW sei für Japan das wichtigste Bundesland und Westfalen könnte für Japan noch wichtiger werden, unter Anspielung der anstehenden Wahlen des neuen CDU-Vorsitzenden. Allein deshalb sei es schön, hier zu sein.

Seit über 150 Jahren bestünden enge Beziehungen zwischen Japan und Deutschland, zunächst aufgenommen vom damaligen Preußen, führte der Botschafter aus. Diese engen Beziehungen hätten sich seitdem stetig fortentwickelt, müssten aber auch gepflegt werden. Denn gute Beziehungen seien nicht selbstverständlich. Die regelmäßig stattfindenden Treffen der Regierungschefs beider Länder seien sehr erfolgreich.

Der demografische Wandel und die Digitalisierung stellten beide Länder aber vor gro0e Herausforderungen. In den nächsten 30 Jahren werde die japanische Bevölkerungzahl von 127 MIO. auf ca. 86 Mio. zurückgehen. 27 % der Japaner würden dann älter als 75 sein. Die Lebenserwartung liege in Japan inzwischen bei 87 Jahren bei Frauen und 81 Jahren bei Männern und steige stetig an. Anders als Deutschland will Japan auf diese Entwicklung nicht mit der Einwanderung aus anderen Ländern reagieren, sondern strebe eine höhere Erwerbsquote bei Frauen an und setze auf eine zunehmende technologische Entwicklung in allen Lebensbereichen.

Mit dem Programm “Society 5.0” werde die japanische Industrie und Gesellschaft für die Zukunft fit gemacht und sichergestellt, dass Japan weiterhin eine führende Wirtschaftsnation bleibe. Dabei habe die Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft große Bedeutung. 1800 japanische Unternehmen gebe es heute bereits in Deutschland und dies mit steigender Tendenz. 3000 Japaner studierten in Deutschland. “Deutschland und Japan sind zwei Partner mit dem gleichen Grundwerten. In einer zunehmenden schwierigeren inter­nationalen Umwelt sind beide Länder ein Stabilisator und Vorbild”, so Botschafter Yagi in seiner Rede.

Im Anschluss an den Vortrag fand eine intensive Diskussion über die Abhängigkeit Japans von der Kernenergie statt, deren Anteil an der Gesamtversorgung auf 20 Prozent reduziert werden soll. „Die Sicherheit der japanischen Atomkraftwerke wird weiter erhöht“, so der Botschafter, „der Anteil erneuerbarer Energie ausgebaut.“

Auf die Frage der militärischen Beteiligung Japans an internatio­nalen Einsätzen der UN verwies Yagi auf die kürzlich erfolgten Änderungen in der japanischen Verfassung, die  solche Einsätze nunmehr ermöglichten, jedoch gäbe es keine konkreten Pläne einer Beteiligung. Japan und seine Bevölkerung betrachteten solche Einsätze kritisch.

„Reaktionen aus erster Hand machen den Blick von außen auf Deutschland möglich und eröffnen uns immer wieder den Perspektivwechsel auf die großen Entwicklungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft“, beschreibt Dirk C. Frotscher,  Alter Herr des Corps und Initiator der in der Studentenschaft einmaligen Veranstaltungsreihe, die Ziele der Veranstaltungsreihe. Aufgabe der seit 2009 in jedem Semester von den Rhein-Westfalen durchgeführten Botschaftergespräche sei auch, immer wieder die Offenheit der Corpsstudenten für die Auseinandersetzung über Grenzen hinweg in die Tat umzusetzen und den kulturellen Austausch zu pflegen.

Das Programm für den Aufenthalt des Botschafters in Münster begann am Nachmittag mit der Begrüßung durch das Corps auf dem Prinzipalmarkt, gefolgt vom Empfang für den Gast und die Corpsangehörigen durch Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe (CDU) im historischen Friedenssaal. Dabei nahm der Botschafter einen Schluck aus dem goldenen Hahn. Oberbürgermeister Lewe warb in seiner Begrüßungsrede auch für Münster als Kongressstadt für japanische Unternehmen. Später erfolgte ein Besuch des Lackmuseums in Münster.

Der Botschafter, der in München studiert hat, war von Münster und dem Friedenssaal beindruckt. “In meiner Ausbildung zum Diplomaten war der Westfälische Frieden ein wichtiger Bestandteil. Von daher ist der Besuch  in Münster für mich ein besonderes Erlebnis”, so  Botschafter Takashi Yagi. Begleitet wurde er vom Wirtschafts­dezernenten der japanischen Botschaft, Herrn Urano, der ebenfalls in Deutschland studiert hat und in seiner Studienzeit häufig auf Corpshäusern verkehrte, wie er berichtete.

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