Zwickenbachtal: Eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch

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Lieblich! Dieses etwas angestaubt anmutende Wort beschreibt das kleine Zwickenbachtal in den Meller Bergen ganz treffend. Lieblich bahnt sich das Bächlein seinen Weg zwischen den Bäumen – mal ganz ruhig, dann sanft plätschernd – immer dem natürlichen Gefälle nach, bis es im Nordwesten der Stadt Melle der Else zufließt und mit der Else in die Weser. Unermüdlich baut es dabei an seinem eigenen Bett. Es windet sich nach rechts, dann wieder nach links, manchmal umfließt es mehrarmig eine kleine Insel. Ökologen nennen dieses Schlängeln des Baches mäandrieren – viele Mäander sind ein Zeichen für die große Natürlichkeit des Baches. Nichts ist begradigt, nichts verrohrt, keine künstlichen Profile und Dämme. Einfach nur der Bach in seiner Ursprünglichkeit. Das Gurgeln des Wassers wird untermalt vom Rauschen der Bäume und dem Gezwitscher der Vögel. Dann und wann schallt der Ruf des Schwarzspechts durch den Wald. Ansonsten herrscht Stille! Die Szenerie erinnert fast an die Kulisse eines Meditationsvideos – nur ist sie in diesem Falle real! Wer also Entspannung sucht, wer auf der Suche nach Ruhe und Naturgenuss ist, dem sei dieses Kleinod wärmstens empfohlen.

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Interessant auch für Schülerinnen und Schüler – die Tafeln am Zwickenbachtal – Foto: Kirsten Muck/Meller Kreisblatt

Schade nur, dass so wenige Menschen das Zwickenbachtal und seine Schönheit kennen! Schon lange spukte die Idee in den Köpfen der Mitglieder des Verschönerungs- und Verkehrsvereins Melle-Mitte, den Zwickenbach – um dessen Erhalt und Pflege sie sich schon seit Jahrzehnten kümmern – mehr Menschen zugänglich zu machen. Die Idee reifte durch eine glückliche Fügung: Das Gymnasium Melle brachte sich in die Planungen ein. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten in ihrem Seminarfach „Fließgewässer“ gemeinsam mit dem Lehrer Vorschläge, wie der Zwickenbach geschützt und gleichzeitig Besuchern begreifbar gemacht werden könnte. Sie machten sich Gedanken, welche Bereiche vor Spaziergängern geschützt werden müssten und welche zum Betreten, Forschen und Ausprobieren freigegeben werden könnten. Zusammen mit dem Team des Natur- und Geoparks TERRA.vita wurden Möglichkeiten beraten, Themen diskutiert und ein Konzept gestrickt. Ziel: Spaziergänger, Familien und besonders auch Schulklassen sollten für die ökologische Bedeutung des Zwickenbachs sensibilisiert werden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Seit Juni müssen sich die Meller das Zwickenbachtal auch mit Forschern und Entdeckern aus der Umgebung teilen. Ein rund 4 Kilometer langer Naturerlebnispfad veranschaulicht nun ökologische Zusammenhänge vor Ort und macht sie begreifbar. Und das im wahrsten Sinne des Wortes … ganz Wichtig bei der Entwicklung war den Schülerinnen und Schülern das aktive Erleben und Einbinden der Menschen. Denn: Mit Wissen wird das eigenständige Erkunden und Erforschen einer Landschaft zum nachhaltigen Erlebnis. Wer mehr weiß, entdeckt auch mehr!

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Durch ein Loch in der Tafel wird der Blick auf das Wesentliche fokussiert – Foto: Melanie Schnieders

Der Weg führt vorwiegend auf verschlungenen und meist naturbelassenen Pfaden durch den teils verwunschenen Buchen- und Fichtenwald – immer am Bachbett entlang. Mal ganz nah, mal am Hang mit Blick auf das Bächlein. Teilweise werden der Bach und sumpfige Bereiche durch kleine Stege und Brücken überquert. Sensible Bereiche, in denen sich Tiere und Pflanzen ungestört entwickeln sollen, wurden durch Totholzbarrieren abgetrennt. Allerdings so dezent und in die Natur integriert, dass dem Besucher möglicherweise überhaupt nicht auffällt, dass er bei seiner Wanderung „gelenkt“ wird. So gibt es ein friedliches und respektvolles Nebeneinander von Feuersalamandern, Moosen, Farnen und Menschen.

Entlang des Weges laden vier Informationstafeln durch Kläppchen und interaktive Elemente zum aktiven Entdecken ein. Ein Guckloch fokussiert den Blick auf die beschriebenen Landschaftselemente. Über QR-Codes können ergänzende Informationen und Fotos zu den einzelnen Stationen heruntergeladen werden. So erfahren interessierte Spaziergänger allerhand Wissenswertes über Tiere und Pflanzen, Bachentwicklung und ökologische Kreisläufe. Das Tal eignet sich ganz besonders für einen Familienausflug mit Entdeckungstour – Picknick in schöner Umgebung inklusive! Fakt ist: Viele Kinder verbringen zu wenig Zeit in der Natur. Dabei bietet sie den schönsten Spielplatz überhaupt! Barfuß durch ein Bachbett waten, kleine Lebewesen unter Steinen entdecken, den Duft der Blumen und Kräuter riechen, aus Naturmaterial kleine Kunstwerke bauen – die Möglichkeiten sind schier unbegrenzt.

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Übersicht des 7-Steine-Lernpfads für kleine Naturforscher

Für kleine Forscher und speziell für Schulklassen wurde als ergänzendes Angebot der 7-Steine-Lernpfad entwickelt: Sieben Steine entlang des Naturerlebnispfades markieren interessante Stationen am Bachbett. Dabei steht jeder Stein für ein eigenes Thema. Informationen, Forscheraufträge und Aufgaben zu den Stationen liefert ein separates Faltblatt. Groß und Klein können hier ungestört entdecken, probieren und spielerisch lernen. Es müssen zum Beispiel Pflanzen gesucht und bestimmt, Bodenproben genommen, Tiere gefunden und gezeichnet und Ufer inspiziert werden … Der Lernpfad liefert das Gerüst für das eigene Lernen und Entdecken mit allen Sinnen. Gerade auch Schulklassen sind herzlich eingeladen, das Zwickenbachtal im Rahmen des Unterrichts als „Grünes Klassenzimmer“ zu erkunden.

Das Faltblatt zum 7-Steine-Lernpfad Zwickenbachtal gibt es kostenlos beim Natur- und Geopark TERRA.vita. Hier erhalten Interessierte auch weitere Informationen zu Erlebnispfaden in der Region und Tipps für Ausflugsmöglichkeiten.

Natur- und Geopark TERRA.vita, Am Schölerberg 1, 49082 Osnabrück, Tel. 0541/5014217, www.geopark-terravita.de

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