Mit Selbstironie und der Droste gepunktet

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Westfalen – Nach zwei Vortragsrunden gab es einen Punkte-Gleichstand und auch aus dem kräftigen Applaus des Publikums nach dem Stechen ließ sich keine klare Entscheidung heraushören. So hatte der PoetrySlam im Rahmen des WestfalenSlam 2015 zwei Sieger: Svenja Gräfen und Fabian Navarro, denen Dr. Karl-Heinrich Sümmermann, Vorstandsvorsitzender der ausrichtenden Westfalen-Initiative herzlich gratulierte.

Dr. Karl-Heinrich Sümmermann (l.), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfalen-Initiative, gratulierte den PoetrySlam-Gewinnern Fabian Navarro und Svenja Gräfen (3. und 4. v.l.). Mit ihnen freuten sich Rainer Holl und Sean Bü (2. und 5. v.l.) sowie Moderator Jason Bartsch (rechts) über einen gelungenen Dichter-Wettstreit.

Dr. Karl-Heinrich Sümmermann (l.), Vorstandsvorsitzender der Stiftung Westfalen-Initiative, gratulierte den PoetrySlam-Gewinnern Fabian Navarro und Svenja Gräfen (3. und 4. v.l.). Mit ihnen freuten sich Rainer Holl und Sean Bü (2. und 5. v.l.) sowie Moderator Jason Bartsch (rechts) über einen gelungenen Dichter-Wettstreit.

Beide hatten im Großen Hörsaal A der Westfälischen Hochschule Recklinghausen mit einem brei-ten Textspektrum überzeugt. Navarro leistete sich allerdings in seiner Hommage an die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff einen Hänger. Der kostete ihm sicher einige Zähler der Publikumsjury. Das aber klatschte, johlte und pfiff letztlich ebenso angetan wie nach allen anderen Vorträgen. Einfühlsam hatte der junge Warsteiner eigene Assoziationen vereint mit Zitaten aus Werken der Dichterin, die ihm in den Sinn kommen, als ihr Konterfei ihn von einem 20-DM-Schein anblickt. Begeisterung löste Navarro aus, als er Gedanken über seinen spanischen Familiennamen mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit und der literarischen Figur Don Quijote verband und abschließend feststellte: „Denkst du in Nationen, dann denkst du auch in Grenzen. Das ist genauso sinnlos wie gegen Windmühlen zu kämpfen.“

Als „Traumabewältigung“ charakterisierte Svenja Gräfen ihre Texte, in der sie selbstironisch die Generationenfrage stellte. Mal ging es um die Jugend, die ihr wegen Trotzphase und pubertierender Stimmungsmonster als Argument diente, kein eigenes Kind zu kriegen. Danach räsonierte sie über das Altsein und besserwisserische, selbstgerechte Senioren. Die Selbstgerechtigkeit des ersten Blicks aber stellte die Dortmunderin stets durch Selbstkritik infrage: Was, wenn die eigenen Eltern ebenso gedacht hätten? Und die eigenen Großeltern sind eigentlich ganz umgänglich. Zu ganz großer Form lief Gräfen auf, als sie im „Sommergedicht“ dem Ehrgeiz abschwor, immer die Erste und Beste sein zu wollen, und für Entschleunigung plädierte.

Angesichts der gebotenen Vortragsgüte hatte Moderator Jason Bartsch es einfach, die Zuhörer bei Laune zu halten. Dies umso mehr als auch die anderen beiden Slam-Teilnehmer, Rainer Holl und Sean Bü, ihren Dichterkollegen qualitativ nicht nachstanden. Das belegte die knappe Publikumswertung. Sprachgewaltig setzte sich Holl mit der eigenen Glatze auseinander und stellte fest: „Wenn es um Haare geht, dann kenne ich nichts“ und „die fetten Haare sind vorbei.“ Da dauerte es schon einen Moment, bis das Publikum den Wortwitz erkannte. Sprachakrobatik und Wortjonglagen der feinen Art bot auch Sean Bü. In stakkatohaftem Rap-Stil ging der Dorstener der Verwendung des Umlautgraphems „Ü“ in der deutschen und türkischen Sprache nach und bekräftigte, dass es – anders als meist angenommen – in beiden Sprachen mindestens gleich oft vorkommt.

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