Lüdenscheid: Kinder im Bild

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Westfalen – Kinderporträts aus mehreren Jahrhunderten stehen im Mittelpunkt einer Sonderausstellung in der Städtischen Galerie Lüdenscheid: Bis zum 7. Februar 2016 erlebt der Besucher der Ausstellung „KinderLeben – einst und jetzt“ eine kunstgeschichtliche Zeitreise, die den Blick öffnet für den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Kindern.

Das Leben von Kindern über die Jahrhunderte - Foto: Lüdenscheid

Das Leben von Kindern über die Jahrhunderte – Foto: Lüdenscheid

Die in Lüdenscheid versammelten Gemälde und grafischen Arbeiten decken mehrere Jahrhunderte ab: Die frühesten Exponate zeigen Kinderdarstellungen aus dem 17. Jahrhundert, es folgen Werke (u. a.) von Anton Graff, Johann H. W. Tischbein, Käthe Kollwitz, Edvard Munch, Conrad Felixmüller und Karl Schmitt-Rottluff. Auch die westfälische Malerin Ida Gerhardi (geb. 1862 in Hagen, gest. 1927 in Lüdenscheid) ist in der Sonderausstellung vertreten. Die gezeigten Arbeiten stammen aus öffentlichen und privaten Sammlungen.

Neben diesen historischen bzw. historisierenden Blicken auf Kinder hat sich auch die Gegenwartskunst des Themas angenommen und hinterfragt auf eindrucksvolle Weise das gängige Heile-Welt-Klischee. Die „Ausstellungsmacher“ bringen es auf den Punkt: „Damit wendet sie (die Gegenwartskunst) sich bewusst gegen das romantische Kindheitsbild, das in der Medienwelt bis heute ungebrochen fortbesteht, aber der Realität oftmals radikal widerspricht.“

Die frühesten Kinderbildnisse wurden vom Adel in Auftrag gegeben mit der subtilen Erwartung, dass die kleinen Erwachsenen insbesondere als Repräsentanten ihres Standes wahrgenommen werden. Als selbstständige Individuen mit Spielzeug und Haustier werden Kinder erst im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts unter dem Einfluss der niederländischen Genremalerei gezeigt. Die Ideen der Aufklärung sorgen dafür, dass Kindern nun erstmals eine eigenständige Entwicklung und Persönlichkeit zugestanden werden. Der gesellschaftliche Wandel offenbart sich auch im Kinderporträt: Bildnisse bürgerlicher Familien treten an die Stelle aristokratischer Auftraggeber, „Milieustudien“ zeigen fortan Kinder, die in ihrer familiären Umgebung spielen.

Der Siegeszug der Fotografie und die damit verbundene realitätsgetreuer Wiedergabe der Porträtierten sorgen dafür, dass sich die Künstler des frühen 20. Jahrhunderts verstärkt um die Sichtbarmachung des Innenlebens der jungen Menschen bemühen. Die emotionale Hinwendung zum Kind ebenso wie dessen Sehnsucht nach einer harmonischen Welt werden zum Gegenstand der Porträts.

Die Gegenwartskunst greift das Thema realitätsnah in unterschiedlichen Nuancen auf – und geht damit zwangsläufig auf deutlichen Gegenkurs zum Heile-Welt-Klischee. So sind in Lüdenscheid zum Beispiel auch Arbeiten von Hongku Kwon zu sehen, 1957 in Südkorea geboren: Er zeigt in seinen Arbeiten Jungen und Mädchen ohne Gesichter, entweder verwischt, unklar oder vom Betrachter gänzlich abgewandt. So wird deutlich, dass sich die Dargestellten (noch) in ihrer eigenen Welt befinden, ohne Bezug zu der der Erwachsenen. Ähnliches teilt auch Simone Lucas, 1973 in Neuss geboren, dem Betrachter mit: Ihre Protagonisten, Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden, sind in ihre Gedanken und Gefühle versunken und scheinen lautlos zu agieren. Sie malen Bilder auf dem Boden oder kritzeln Worte auf Notizzettel – so, als seien sie Suchende nach der eigenen Zukunft…   (Peter Kracht)

Sonderausstellung „KinderLeben – einst und jetzt“: Begleitet wird die Sonderausstellung durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit mehreren Projekten, die Jung und Alt zusammenführen sollen.

Öffnungszeiten: Mi-So 11 – 18 Uhr

Städtischen Galerie in den Museen der Stadt Lüdenscheid / Sauerfelder Str. 14 / 58511 Lüdenscheid

Telefon 02351 – 171496

www.luedenscheid.de

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