Everswinkel: Wie man Milchschaum produziert

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Westfalen – Über wenige Lebensmittel wird so erbittert gestritten wie über Milch. Milch schützt vor Knochenbrüchen, sagen die einen, Kritiker machen den Milchkonsum gar verantwortlich für das Ausbrechen verschiedener Krebsarten. Beide Thesen sind so einfach wie falsch. Richtig ist, dass sich Milch und Milchbestandteile heute nicht nur in Produkten wie Butter, Käse und Joghurt, sondern auch in Tiefkühlgerichten, verschiedenen Brotaufstrichen und Karamellbonbons finden.

Der Hofbesitzer Christoph Gerd-Holling (4.v.r.) und Vertreter der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Gemeinde Everswinkel, des Deutschen Milchkontors und der Sparkasse Münsterland Ost freuen sich auf Besuch am 14. Juni.  Foto: WWU/AFO

Der Hofbesitzer Christoph Gerd-Holling (4.v.r.) und Vertreter der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Gemeinde Everswinkel, des Deutschen Milchkontors und der Sparkasse Münsterland Ost freuen sich auf Besuch am 14. Juni. Foto: WWU/AFO

Die Expedition Münsterland, ein Projekt der Arbeitsstelle Forschungstransfer (AFO) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), organisiert mit der Gemeinde Everswinkel und dem Milchhof Gerd-Holling am 14. Juni 2015 den Thementag Milch. „Der Thementag Milch ist der erste Teil der Reihe ‚Regionale Lebensmittel‘ und soll über die Geschichte und Zukunft von Milch im Münsterland informieren“, erklärt Katarina Kühn, Mitorganisatorin von der AFO. Weitere Teile mit den Titeln „Bier“ und „Korn“ sollen in den nächsten Jahren folgen. Auf dem Hof Gerd-Holling wird es 24 Informationsstationen geben, bei denen die Erzeugung und Verarbeitung des Lebensmittels Milch im Mittelpunkt steht. Auf viele Fragen rund um die Milch geben Wissenschaftler der WWU und der FH Münster mit kleinen Vorträgen Antworten: Wie kommt die Milch von der Wiese ins Glas? Wieso können die meisten Mitteleuropäer im Gegensatz zu vielen Afrikanern und Asiaten Milch verdauen? Und wieso schmecken bei gleichem Ausgangsprodukt verschiedene Käsesorten so unterschiedlich?

Die Kühe auf dem Milchhof Gerd-Holling sind beim Thementag Milch die Hauptakteurinnen. - Foto: WWU/AFO

Die Kühe auf dem Milchhof Gerd-Holling sind beim Thementag Milch die Hauptakteurinnen. – Foto: WWU/AFO

Herbert Voigt, technischer Leiter des Botanischen Gartens der WWU, wird mit Interessierten Führungen über eine Weide machen und das Ökosystem erklären. „Glückliche Kühe geben auch glücklich Milch“, ist Herbert Voigt überzeugt, und dafür sei das Futter maßgeblich. Eine Kuh braucht am Tag 25 Kilogramm Grassilage und 100 Liter Wasser, aber auch die Zusammensetzung des Futters müsse stimmen. „Wenn der Anteil an Hülsenfrüchten im Futter zu hoch ist, bekommt die Kuh nicht nur Verdauungsprobleme wie der Mensch, dann kann es für das Tier gefährlich werden“, erklärt der Leiter des Botanischen Gartens.

Milcherzeugung aus historischer Perspektive erläutert Prof. Dr. Elisabeth Timm vom Seminar für Volkskunde und europäische Ethnologie an der Universität Münster. Sie geht der Frage nach, wie sich die bäuerlichen Betriebe und die Milchproduktion im Laufe der Zeit gewandelt haben. „Waren auch kleine landwirtschaftliche Betriebe früher auf Gesinde und Saisonarbeiter angewiesen, ändert sich das bäuerliche Arbeiten ab der Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Einführung von Maschinen“, berichtet Elisabeth Timm. Durch die Mechanisierung konnte die Arbeit eines kleinen Hofes nun auch von einer Familie bewältigt werden.

Neben der historischen Milcherzeugung können sich Besucher auch darüber informieren, wie Milchbetriebe heute arbeiten. Interessierte können sich einen modernen Melkstand in Aktion ansehen oder technisch hoch entwickelte Erntemaschinen unter die Lupe nehmen. Junge Besucher können sich an zahlreichen Stationen aktiv am Thementag Milch beteiligen oder sich auf einer Strohburg austoben, während sich die Erwachsenen erklären lassen, wie man den besten Milchschaum produziert.

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