“Muttertag” in der Konzerthalle Dortmund

Print Friendly, PDF & Email

Westfalen – Ihr Publikum zu erobern, das brauchten sie zweifelsohne nicht mehr. Anne-Sophie Mutter und das Royal Concertgebouw Orchestra unter Dirigent Andris Nelsons sind das Highlight der Dortmunder Konzertsaison. Selbstverständlich gab es großen Applaus als herzliche Vorschußlorbeeren und nach den Konzerten minutenlange Begeisterungsstürme mit Standing Ovations. Im Konzerthaus Dortmund sind sie am 13. März gemeinsam aufgetreten – mit Jean Sibelius’ Konzert für Violine und Orchester d-moll für die Solistin und nach der Pause gab das Orchester Dimitri Schostakowitschs zehnte Sinfonie.

Anne-Sophie Mutter spielt mit dem Royal Concertgebouw Orchetra Jean Sibelius - Fotos: Pascal Amos Rest

Anne-Sophie Mutter spielt mit dem Royal Concertgebouw Orchestra Jean Sibelius – Fotos: Pascal Amos Rest

Mucksmäuschen still ist es als das Royal Concertgebouw Orcherstra mit einem hauchzarten Klangteppich der Streicher das Sibelius-Konzert eröffnet. Einmal mehr beweist die Architektur des Konzerthauses bereits von der ersten Sekunde an ihre Stärke: Eine makellose Akustik. So viel Klarheit und eine so ungeheure Präsenz gibt es in Deutschland wohl nur hier. Anne-Sophie läßt ihre Stradivari erklingen als sei sie eine Sängerin. Sie spannt einen melancholischen Bogen mit viel Schmelz und Herzblut, gerät in Zauber, Verzückung und Leidenschaft. Es ist ein hinreissendes Spiel zwischen Solistin und Orchester.

Von der Solistin hingerissen ist auch Andris Nelsons

Von der Solistin hingerissen ist auch Andris Nelsons

Die treibende Dynamik kommt von der Violine als wolle sie das Orchester herausfordern. Aber das Zusammenspiel stimmt bis auf den letzten Ton. Höhen und Tiefen werden gemeinsam durchschritten. Es entspinnt sich ein zauberhafter Dialog. Die anspruchsvolle Partitur setzt höchste Virtuosität voraus. Bei Anne-Sophie Mutter wird diese mit höchster Präzision, Konzentration und einer beinahe selbstvergessenen Meditation in hinreissenden Klang verwandelt. Während Andris Nelsons zwischen den Sätzen sichtlich um Luft ringt und mit charmanter Geste zeigt, dass er in Wallung und Hitze geraten ist, bleibt die Solistin ruhig und konzentriert. Sie ruht auch in der größten Anspannung ganz in sich und bildet eine kongeniale Einheit mit ihrem Instrument. Unübertrefflich!

Anne-Sophie Mutter: Weltklasse Solistin

Anne-Sophie Mutter: Weltklasse Solistin

Nach der Pause ist die mitreißende Aufführung der 10. Sinfonie Dmitri Schostakowitschs die Stunde des Orchesters und die des lettischen Dirigenten Andris Nelsons. Schostakowitschs “Zehnte” ist ein Feuerwerk musikalischer Kraft, das voller Dynamik ein Tauchbad der Stimmungen und Gefühle entfaltet. Martialische, kriegerische Passagen wechseln mit hinterfragenden Klängen. Unglaublich wie beredt Musik sein kann! Die Spannung ist voller dramatischer Wechsel von zarten Melodien, die von unglaublich bewegenden Solisten Klarinette, Horn, Oboe, Schlagwerk umgesetzt werden bis hin zu heroischen, ja marschähnlichen Passagen. Gewaltig und machtvoll sind die vielen Tutti, die mitreissend, ja beinahe krachend ausgelebt werden. Dem Publikum konnte beinahe schwindlig werden.

Andris Nelsons kontrolliert Tempo und Dynamik mit großer Genauigkeit, er läßt den gewaltigen Klangkörper machtvoll voranstürmen. Mit ebenso genauen wie zarten Gesten kitzelt er förmlich jeden Ton heraus und lenkt er es durch alle Tempowechsel und musikalischen Purzelbäume. Die Solisten werden mit kleinsten Fingerzeigen und wundervoll sanften, fast liebevoll streichelnden Gesten gelockt, unterstützt und präzise gelenkt. So entsteht eine Harmonie, die man so nur selten gesehen hat. Dirigent und Orchester bilden eine Einheit und die Freude am Gelingen ist den Musikern im Orchester und dem Dirigenten gleichzeitig ins Gesicht geschrieben. Kein Zweifel Andris Nelsons gehört aktuell zu den ganz Großen. Es heißt, dass er bei der Neubesetzung des Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker zu den Top-Kandidaten gehört. Zu Recht wie man an diesem Abend erleben durfte! (Jörg Bockow)

Speak Your Mind

*