Herne: Drittes Int. Festival für Neuen Zirkus

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Westfalen – Vom 12. bis 15. März 2015 wird es die dritte Auflage von CIRQ’OULEUR über die Bühnen des Veranstaltungszentrums Flottmann-Hallen im Herner Süden gehen. Dieses Mal als kompaktes Festival mit neun Vorstellungen in nur vier Tagen statt verteilt als Reihe über drei Wochenenden. Dafür jedoch in entsprechender Atmosphäre plus zusätzlichem Rahmenprogramm inklusive Workshops, Gesprächsrunden, Live-Musik sowie einem erstmaligen Netzwerktreffen Neuer Zirkus Ruhr.

Wieder stehen beim Zirkusfestival an den Flottmann-Hallen neue Gruppen auf der Zirkusbühne - Fotos: Flottmann-Hallen

Wieder stehen beim Zirkusfestival an den Flottmann-Hallen neue Gruppen auf der Zirkusbühne – Fotos: Flottmann-Hallen

Im Jahr der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 fand in den Flottmann-Hallen unter dem Titel CIRQ’OULEUR bundesweit das 1. Internationale Zirkustheaterfestival statt. Und betrat damit praktisch Neuland. Auf den ersten Blick erstaunlich, dass die recht kleine Aufführungsreihe bei Flottmann im Jahre 2010 das erste Festival in Deutschland war, das sich ausschließlich dem Zirkustheater bzw. dem Neuen Zirkus widmete.

Cirque Research - Foto: Anne Barth/Zirkusfestival

Cirque Research – Foto: Anne Barth/Zirkusfestival

Doch während in zahlreichen anderen europäischen Ländern, ausgehend von Frankreich, als auch in Kanada und Australien das Genre Neuer Zirkus unter den Bezeichnungen ,Cirque Nouveau‘ und ‚Contemporary Circus‘ bereits seit vielen Jahren Fuß gefasst hat und eine Vielzahl kleinerer und größerer Kompanien bis hin zu Global Playern wie dem Cirque du Soleil weltweit ein breites Publikum anziehen, fristet der Neue Zirkus im Gegensatz zum klassischen bzw. zum Varieté oder Straßentheater in Deutschland noch heute ein Schattendasein.

Sowohl Kurzstücke als auch abendfüllende Produktionen, die den Fokus nicht ausschließlich auf artistische Höchstleistungen legen, sondern sich, dramaturgisch wie choreographisch inszeniert, mit bestimmten Themen beschäftigen, teilweise reduziert auf nur eine oder wenige Disziplinen, dabei jedoch oft genreübergreifend arbeitend unter Einbezug von Tanz, Schauspiel, Objekttheater und speziellen Musikarrangements, haben hierzu-lande immer noch Seltenheits-wert.  Gerade das spannende Stimittel des ‘Crossover’ verhindert andererseits, dass der Neue Zirkus seine Position findet. Irgendwo halt zwischen Tanz, Theater und Varieté. In einem Land wie Deutschland, das sich kulturell gerne an Traditionen festhält und in Schubladen denkt, kein einfaches Unterfangen.

Auf dem Programm steht auch die Gründung der Initiative Neuer Zirkus Ruhr - Foto: Benjamin Krieg

Auf dem Programm steht auch die Gründung der Initiative Neuer Zirkus Ruhr – Foto: Benjamin Krieg

Nachdem es aufgrund der anschließend wieder wegbrechenden Kulturhauptstadtmittel bis 2013 dauerte, ehe die zweite Ausgabe von CIRQ’OULEUR aus eigener Kraft und ohne weitere öffentliche Förderung auf die Beine gestellt werden konnte, hoffen wir nun, dieses Festival möglichst biennal durchführen zu können.

CIRQ’OULEUR 2015 kooperiert dabei erstmals mit einigen Initiativen und Projekten, die sich in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland rund um den Neuen Zirkus gebildet haben und unaufhaltsam dabei sind, diese hierzulande noch zarten Pflänzchen stetig weiter zu entwickeln und zu einer starken Plantage in der deutschen Kulturlandschaft heranzuzüchten. Als da wären die Initiative Neuer Zirkus e.V. Köln und damit verbunden das Projekt ‚Labor Cirque‘ des Zirkus und Artistik Zentrums Köln e.V. sowie das Forum Neuer Zirkus Berlin e.V.. Gleichzeitig soll auch im Revier eine Initiative Neuer Zirkus Ruhrgebiet aktiviert werden.

Zentraler Baustein des Festivals sind natürlich die öffentlichen Vorstellungen mit deutschen und internationalen Produktionen. Dabei wird es gleich zwei deutsche Erstaufführungen geben.

Besonders freut man sich darauf, die Produktion B-ORDERS der Palästinensischen Zirkusschule Ramallah für eine Doppelvorstellung am 12. März und 13. März nach Herne einladen zu können, mit der zugleich das Festival am Donnerstag, 12. März eröffnet wird. Eine Entwicklungs- und Beziehungsgeschichte zweier junger Menschen in einer von Anschlägen und Krieg gebeutelten Region.

Darüber hinaus widmet sich CIRQ’OULEUR 2015 erneut den Produktionen, die den Brückenschlag von Zirkusartistik zu anderen Genres wagen. So z.B. das Solo CORDES des Belgiers Alexis Rouvre am Freitag, 13. März., eines höchst unkonventionellen Jongleurs und Multi-Seilartisten, der sich nicht auf oder an einem Seil bewegt, sondern  einen ganzen Raum voller Taue, Stricke, Knäuel, Knoten und Kugeln manipuliert. Und damit einen Bogen zum Objekttheater schlägt.

Zum Schwerpunktthema Artistik & Musik präsentiert das Kölner Projekt Zirkus am Samstag, 14. März in einem MAKING OF interessierten Zuschauern einen Einblick in das genreübergreifende Inszenieren ihrer Produktion ‘Ganz Kaputt’, die bereits im Oktober 2014 bei Flottmann aufgeführt wurde. Der Eintritt hierzu ist frei!

Mit der bereits auf zahlreichen deutschen wie internationalen Festivals gezeigten Tanz-Jonglage-Choreographie TANGRAM des Duos und realen Paares Cristiana Casadio & Stefan Sing, eröffnen das Festival am Samstag, 14. März das Abendprogramm. Ein nonverbaler Schlagabtausch mit großer Tiefe, viel Humor und meisterlicher Körperarbeit.

Ebenfalls am Samstag, 14. März wird als abendfüllende Veranstaltung unter dem Titel ZWISCHEN HIMMEL UND ERDE eine Werkschau Neuer Zirkus zu sehen sein. Mit Kurzstücken deutscher bzw. in Deutschland ansässiger Zirkusartisten. Zusammengestellt vom Forum Neuer Zirkus Berlin e.V.

Am Sonntag, 15. März eröffnet der Bochumer Kinder- & Jugendzirkus RatzFatz mit einer Preview seiner neuen Show zum Thema ‘Neue Energien’ den letzten Festivaltag. Auch hier ist der Eintritt frei.

Ebenfalls nachmittags wird es ein erstmaliges Treffen zur Gründung einer Initiative Neuer Zirkus Ruhr geben. Mit interessierten Künstlern, Organisatoren und sonstigen Personen, die dieser besondern Kunstform im Ruhrgebiet ‘auf die Sprünge helfen’ möchten.

Den Abschluss bilden am Sonntag, 15. März zwei deutsche Produktionen, die spartenübergreifend Physical Theatre und Artistik verbinden.

In „Leonce sucht das Glück“ nähert sich das Ensemble vor dem theater  in Anlehnung an Büchners Lustspiel ‚Leonce und Lena‘ dem Thema der ewigen Sinnsuche mit viel Humor und vollem Körpereinsatz.

Last but not least beschäftigt sich die brandneue Produktion “Carnival oft the Body“ des Kölner Duos Overhead Project –  ehemalige Mitglieder der bei Flottmann bereits häufig zu sehenden Gruppe Head Feed Hands – mit der körperlichen Realität und der äußeren Wahrnehmung des Wrestling.

www.flottmann-hallen.de

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