„Unsere Denkmalkultur ist gefährdet“

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wh- Die Landesregierung will die Denkmalförderung in Nordrhein-Westfalen zukünftig über zinsvergünstigte Darlehen finanzieren. Wie Michael Groschek, Minister für Wohnen und Stadtentwicklung, am Dienstag, 16. Juli 2013, bekannt gab, soll die NRW.BANK dafür Anleihen mit einem Volumen von 60 Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stellen.

Im Gegenzug werden Landeszuschüsse in Höhe von sechs Millionen Euro gekürzt. Dr. Wolfgang Kirsch, Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes (WHB) und Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), sieht dieses Konzept kritisch.

Landesdirekter Kirsch sieht schwere Zeiten für den Denkmalschutz in unserem Land heraufziehen. - Foto: LWL

Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sieht schwere Zeiten für den Denkmalschutz in unserem Land heraufziehen. – Foto: LWL

Herr Dr. Kirsch, was kritisieren Sie an der Neuausrichtung der Denkmalförderung?
Dr. Wolfgang Kirsch
: Die Landesregierung möchte sich weitestgehend aus der Förderung der Denkmalpflege zurückziehen: 1992 wurden noch umgerechnet 35,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, 2012 nur mehr 11,4 Millionen Euro. Dies bedeutet bereits eine Streichung um 60 Prozent, jetzt soll ein Ausstieg mit der Umstellung auf Darlehen folgen. Die drohende Streichung der Landesfördermittel entzieht die Grundlage für die Pflege der Denkmallandschaft unseres Landes. Kurz gesagt: Unsere Denkmalkultur in NRW ist gefährdet.

Warum sind Denkmäler denn wichtig, wichtiger als Kindergartenplätze?
Ich spiele doch nicht Kindergärten gegen Kultur aus. Denkmäler stiften Identität, sind also nicht nur für den Tourismus und für das Marketing der Städte von Bedeutung, sondern insbesondere für die Menschen in der Region. Das sehen wir an dem Engagement der Bürgerinnen und Bürger für ihre Denkmäler, zum Beispiel in Fördervereinen.

Die Summen, die Denkmalbesitzer bekommen, sind oft sehr gering.
Selbst geringe Summen an Fördermitteln helfen in einer Art Mischkalkulation, außerdem wirkt die Förderung durch das Land als Gütesiegel und als Türöffner für andere Förderer. Fördermittel helfen, die Eigentümer der Denkmäler bei kleinen Maßnahmen zu einer denkmalgerechten Ausführung zu ermuntern. Dies trifft vor allem auf Eigentümer mit geringen Einkommen zu, die kaum von der Möglichkeit der besonderen Steuerabschreibung für Baudenkmäler profitieren können.

Minister Groschek möchte die Denkmal-Förderung von Zuschüssen auf 60-Millionen-Euro-Darlehen umstellen. Wie schätzen Sie das ein?
Das sehe ich kritisch. Die Summe sagt erst mal nichts, denn es sind Darlehn, die zurückgezahlt werden müssen. Wie soll das der Heimatverein, wie soll das der Besitzer eines kleinen Hauses zurückzahlen? Außerdem bekomme ich zinsgünstige Darlehn auch von der Bank. Ein Darlehen ist nur attraktiv, wenn ein wirtschaftlicher Gewinn des Baudenkmals zu erwarten ist. Die Konzentration der Investitionen wird voraussichtlich auf Bauten in attraktiver Lage liegen. Es besteht die Gefahr, dass damit die Erhaltung der Baudenkmäler vor allem im ländlichen Raum noch schwieriger wird.

Minister Groschek meint, damit werde die Zahl der Objekte sogar erhöht.
Ich teile den Optimismus nicht, er spricht ja auch von möglichen Objekten. In der Wirklichkeit, fürchte ich, wird die Zahl der Anträge drastisch zurückgehen – schlecht für die Denkmalpflege.

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