„Ich komme mit Schönheit nicht gut klar“

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Dortmund – Thorsten Trelenberg aus Schwerte ist Westfalens Flusspoet. Seine Lyrik ist von Flüssen und Bächen der Region inspiriert, außerdem inszeniert er Gewässer und andere, oft abseitige Orte mit seinen Gedichten neu. Eine Poesieoase schmückt zurzeit auch das Dortmunder Kulturzentrum U.

Am kommenden Wochenende, 8. und 9. Juni 2013, ist Trelenberg dort mit zwei Lesungen zu Gast: Am Samstag um 15 Uhr und am Sonntag und 11 Uhr.

Thorsten Trelenberg

Lyriker Thorsten Trelenberg hat an der Emscher seine besten Ideen. – Foto: Privat

Herr Trelenberg, Sie waren früher Rettungssanitäter und Feuerwehrmann. Wie wurden Sie dann Flusspoet?

Trelenberg: Ich bin Lyriker, Kinderbuchautor und wurde dann zum Flusspoeten. Und das kam so: Ich brauchte einen Kreativraum für meine Arbeit und habe deshalb begonnen, die Flüsse in der Region abzuwandern. Dabei habe ich gemerkt: die Emscher ist mein Lieblingsfluss, da habe ich die besten Ideen.

Warum gerade das „Köttelbecken“ Emscher?

Das fragen mich auch viele Kollegen, wegen der Bedeutung der Emscher als Abwasserfluss. An einigen Orten dort sieht es ja tatsächlich schlimm aus. Aber es ist ein hochpoetischer Raum und hat Kreativpotenzial hoch drei.

Zu welchen Texten inspiriert Sie die Emscher?

Ich schreibe keine Kohle- und Brikettgedichte, sondern zeitgenössische Lyrik. Ich arbeite sehr breit gestreut – vom Gedicht über den Löwenzahn bis hin zu abstrakten Texten. Ich habe auch schon eine Kinderbuchreihe über die Emscher veröffentlicht, die „Flusspiraten“. Da erkläre ich Kindern, was auf den Baustellen am Fluss passiert.

Am Dortmunder U haben Sie eine Poesieoase installiert. Was ist das genau?

Mit den Poesieoasen bringe ich Gedichte an Unorte, zum Beispiel an öffentliche Toiletten oder auch soziale Brennpunkte entlang der Emscher, wo dann Obdachlose auf die Gedichte aufpassen, die ich auf laminiertem Papier aufhänge. Am Dortmunder U habe ich einen Innenhof als Poesieoase gewählt. Ein vernachlässigter, windiger Platz, an dem sich keiner gern aufhält. Aber das ist genau richtig: Ich komme mit Schönheit nicht gut klar und auch die Besucher werfen durch die Gedichte einen neuen Blick auf den Ort. Manche sagen dann: „Guck mal, wie schön das ist.“

Weitere Informationen:
www.literaturlandwestfalen.de/veranstaltung/thorsten-trelenberg-flusspoet-on-tour-1/

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