Klassisches Ballett – märchenhaft schön!

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Westfalen – Bezaubernd, anrührend und einfach märchenhaft schön: Das Ballett „Red Giselle“, in diesen Tagen bei den Ruhrfestspielen in Recklinghausen zu sehen, zeigt den ganzen Zauber, der von klassischem Ballett ausgehen kann. Das sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Rolle der „Red Giselle“ war kongenial mit der Ballerina Svetlana Bednenko besetzt. Da bekam man beim Zuschauen einen trockenen Mund.

Fantastische Choreographie von Boris Eifman: Mit Musik von Pjotr I. Tschaikowski, Alfred Schnittke und Georges Bizet. - Foto: Eifman State Academy Ballet St. Petersburg

Fantastische Choreographie von Boris Eifman:
Mit Musik von Pjotr I. Tschaikowski, Alfred Schnittke und Georges Bizet. – Foto:
Eifman State Academy Ballet St. Petersburg

Das Eifman State Academy Ballet aus St. Petersburg ist eine Sensation – mit einem einzigen Wort: Weltklasse. Es ist längst auf Augenhöhe mit dem renommierten Bolschoi-Ballett. Kein Wunder also, dass die gestrige Premiere im Festspielhaus begeistert aufgenommen und die Tänzer frenetisch beklatscht wurden.

Unvergessen: Zwischen dem kometenhaften Aufstieg der Primaballerina und dem unendlichen Schmerz ihres Endes liegt ein beeindruckender Tanzabend, der einem ans Herz geht. - Foto: Eifman State Academy Ballet St. Petersburg

Unvergessen: Zwischen dem kometenhaften Aufstieg der Primaballerina und dem unendlichen Schmerz ihres Endes liegt ein beeindruckender Tanzabend, der einem ans Herz geht. – Foto:
Eifman State Academy Ballet St. Petersburg

Die Choreografien dieser Gruppe gehören zum Besten, was man zurzeit an europäischem Ballett sehen kann. Das Stück „Red Giselle“ – eine Mischung aus erzählendem Tanztheater und klassischem Ballett – erzählt die Geschichte der unvergesslichen Primaballerina Olga Spessivtseva, die zu den Ausnahmekünstlern der frühen Sowjetunion gehörte und 1991 mit 96 Jahren starb. Auch wenn ihr Ende bedrückend und traurig war, vergessen wird sie nie und nimmer. „Red Giselle“ setzt der Ausnahmetänzerin ein fantastisches Denkmal: Getanzte Geschichte von den atemberaubenden Höheflügen bis zu den traurigen Niederungen.

„Red Giselle“ erzählt von Aufstieg und Fall der russischen Primaballerina Olga Spessivtseva. Die Rolle der Giselle im gleichnamigen Ballett war für sie der phänomenale Durchbruch, aber da lag das Zarenreich schon in den letzten Zügen, und als Diva in die stahlgraue Zeit nach der Oktoberrevolution zu geraten, war ein eher fragliches Glück.

Boris Eifman erzählt die Geschichte seiner Protagonistin als eine wesentlich von drei Männern bestimmte Existenz. Da ist zuerst der strenge, brillante Lehrer, der ihr Talent durch Disziplin formt; dann erscheint der Parteifunktionär, der sie protegiert, weil sie das heimliche Objekt seiner unproletarischen Begierden ist. Sie entkommt, um in Paris dem nächsten Partner in ihrem verhängnisvollen Reigen zu begegnen: dem Tänzer Serge Lifar, mit dem sie auf der Bühne zuerst große Erfolge feiert, in den sie sich verliebt, der sie aber verschmäht. Dann kommen Alter, Verzweiflung, Alkohol, 20 Jahre ausgebranntes Überleben in einem Irrenhaus. (Jörg Bockow)

Ruhrfestspiele Recklinghausen / Otto-Burrmeister-Allee 1  / 45657 Recklinghausen
Telefon 02361 – 918-0
www.ruhrfestspiele.de

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