„Ein verheerendes Signal“

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wh – Die Landesregierung NRW will Fördergelder für den Denkmalschutz in den kommenden Jahren weiter kürzen und 2015 sogar ganz einsparen. Die Landesmittel zur Denkmalpflege sind bereits in den vergangenen 20 Jahren um etwa 60 Prozent verringert worden. 2012 betrugen sie 11,4 Millionen Euro. Im Haushaltsentwurf 2013 sind nun nur noch 9,4 Millionen Euro Förderung vorgesehen, 2014 sollen es 3,4 Millionen Euro sein. Für 2015 ist eine komplette Streichung der Förderung, jedoch bestenfalls ein Betrag von ebenfalls 3,4 Millionen Euro vorgesehen. Als Ausgleich will das Land Darlehen anbieten.

Dr. Wolfgang Kirsch ist neben seinem Amt als Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auch Vorsitzender des Westfälischen Heimatbundes, in dem zahlreiche Vereine und ehrenamtliche Initiativen aus dem Bereich der Denkmalpflege organisiert sind. Im Interview äußert sich Kirsch zu den Plänen der Landesregierung

Wolfgang Kirsch - Foto: LWL

Wolfgang Kirsch – Foto: LWL

Herr Dr. Kirsch, was würde eine Kürzung bzw. Streichung der Fördermittel für den Denkmalschutz in Westfalen bedeuten?
Dr. Wolfgang Kirsch: Das wäre ein verheerendes Signal und würde das Ende des Denkmalschutzes einläuten. Noch im vergangenen Jahr hat die Regierungskoalition deutlich gemacht, dass sie für den Erhalt und den Ausbau steht. Nun lässt sie die Eigentümer von Denkmälern und ehrenamtliche Helfer, die auf die Landesförderung angewiesen sind, allein. Das ist vollkommen unverständlich, zumal bei landesweit rund 90.000 Denkmälern mit geringen Beträgen eine große Wirkung erzielt wird.

Zur Bodendenkmalpflege zählt auch die Archäologie. Welche Auswirkungen hätten die Regierungspläne auf die Ausgrabungsprojekte in Westfalen?
Die Auswirkungen wären gravierend und hätten erhebliche Verzögerungen bei Bauarbeiten zur Folge. Grabungsprojekte kämen zum Erliegen und die Vergangenheit bliebe im Boden versteckt. Selbst Leuchtturmprojekten wie dem Weltkulturerbeantrag von Kloster Corvey wäre damit die Grundlage entzogen.

Sehen Sie Möglichkeiten, einen Ausfall der Landesmittel zu kompensieren?
Nein. Das Problem ist, dass die Denkmalpflege auf einer Mischfinanzierung beruht. Stiftungsgelder fließen in vielen Fällen nur, wenn auch das Land ein Projekt mitfinanziert. Somit würden beispielsweise Gelder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hier ausfallen und in andere Länder fließen. Angesichts der kommunalen Finanznot können die Städte und Gemeinden nicht einspringen, wenn sich das Land aus der Finanzierung zurückzieht.

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