Westfalen – Indische Filmtage im Schloßtheater: Der filmclub münster und die Deutsch-Indische Gesellschaft zeigen vom 3. Dezember bis zum 16. Januar 2013 aktuelle Tendenzen des indischen Films.
Bollywood, das sind Liebesschnulzen mit Tanz und Gesang, die drei Stunden dauern, mit Realität nichts am Hut haben und zum Schluss kommt dann das zuckersüße Happy End, ohne Ausnahme. So lautet das allgemeine Vorurteil. Und doch sagt ein großer Autor wie Kiran Nagarkar, man könne Indien nicht verstehen, ohne Bollywood zu kennen. Nicht dass Bollywood alles wäre, was Indien an Filmen hervorbringen würde.
Die am 3. Dezember im Schloßtheater startenden Indischen Filmtage haben den Anspruch, die aktuellen indischen Produktionen in ihrer ganzen Bandbreite unter die Lupe zu nehmen und die Bandbreite ist gewaltig! Den Beginn macht der gerade erst in Indien angelaufene “Jab Tak Hai Jaan” (“Solang ich lebe”), klassisches Bollywood-Kino in Reinform mit Megastar Shah Rukh Khan in seiner Paraderolle des Liebenden. Andere Filme wie der erfolgreichste indische Film aller Zeiten, “3 Idiots” (am 17.12.), kombinieren allerdings bereits auf sehr unterhaltsame Art und Weise die Bollywood-Formel mit sozialkritischem Anspruch. Medizin wird ja auch mit Zucker verabreicht, findet dessen Regisseur Rajkumar Hirani. Und wer hätte gedacht, dass gerade Shakespeares Othello sich im staubigen, gesetzlosen Bundesstaat Uttar Pradesh so richtig wohl fühlen würde? “Omkara” (am 12.12.) heißt der Othello hier, Sohn einer Mutter aus niederer Kaste und nein, singen muss er nicht.
Viele Filme am Rande des Mainstreamkinos packen durchaus heiße Eisen an, wie die religiösen Unruhen, die das Land immer wieder erschüttern. So halten sich in “Delhi-6” (am 10.12.) das grausame und das exotisch-schöne Indien die Waage. Ein ähnlich mutiger Film ist auch der tamilische „Raavanan“ (am 19.12.), denn er benutzt das mythologische Epos des Ramayana, versetzt es in die Gegenwart und stellt es auf den Kopf. Das ist ziemlich gewagt und in Nordindien wollte man nicht sehen, dass der dort verehrte Held Ram in die Rolle des Schurken gedrängt wurde – der Film wurde dort zum Flop. Das Münsteraner Publikum darf sich aber auf einen bildgewaltigen Trip in den Dschungel freuen. Und so wirklich gar nicht mehr ins Bollywood-Schema passen will dann der radikale bengalische Film “Gandu” (zu Deutsch: “Wichser”, am 9.1.), der wegen seiner schonungslosen Sexszenen in Indien selbst nie veröffentlicht wurde.

Jab Tak Hai Jaan (Solang ich lebe) – ein poetische Liebesepos mit Shah Rukh Khan zwischen London und Kaschmir (Copyright: Rapid Eye Movies)
Die vom Filmclub Münster in Zusammenarbeit mit der Deutsch-Indischen Gesellschaft Münster veranstalteten Indischen Filmtage eröffnen einen Blick in ein reiches Filmuniversum, das uns eigentlich komplett fremd ist. Im Anschluss an jeden Film stehen daher auch Experten für Indien und fürs indische Kino für Fragen zur Verfügung. Vergessen Sie, was sie bisher über “Bollywood” zu glauben wussten, hier haben sie die einmalige Chance das Land, seine Bewohner und seine Filme von einer ganz anderen Seite kennenzulernen.
Alle Termine und Infos auch unter www.muenster.org/digmuenster Kartenreservierung Schloßtheater Tel.: 0251-22579
Termine:
Mo 03.12., 20:30
“Jab Tak Hai Jaan – Solang ich lebe” (IND 2012), anschließend Filmgespräch
Mi 05.12., 17:30
“Jab Tak Hai Jaan – Solang ich lebe” (IND 2012), anschließend Filmgespräch
Mo 10.12., 20:30
“Delhi-6” (IND 2009), anschließend Filmgespräch
Mi 12.12., 17:30
“Omkara” (IND 2006), anschließend Filmgespräch
Mo 17.12., 20:30
“3 Idiots” (IND 2009), anschließend Filmgespräch
Mi 19.12., 17:30
“Raavanan” (IND 2010), anschließend Filmgespräch
Mi 02.01., 17:30
“Rockstar” (IND 2011), anschließend Filmgespräch
Mo 07.01., 20:30
“Dabangg 2” (IND 2012), anschließend Filmgespräch
Mi 09.01., 17:00
“Bollywood – Die größte Liebesgeschichte aller Zeiten” (IND 2011), anschließend Filmgespräch
Mi 09.01., 19:00
“Gandu” (IND 2010), anschließend Filmgespräch
Mo 14.01., 21:00
“Prague” (IND 2012), anschließend Filmgespräch
Mi 16.01., 17:30
“Zindagi Na Milegi Dobara – Man lebt nur einmal” (IND 2011), anschließend Filmgespräch
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