Spuren der Umgebung sichbar machen

Print Friendly, PDF & Email

Westfalen – Noch bis zum 04. November 2012 präsentiert der Bielefelder Kunstverein in zwei Einzelausstellungen neue Werke von Thomas Kratz und der dOCUMENTA (13)-Teilnehmerin Jessica Warboys. Warboys und Kratz arbeiten mit einem erweiterten Malereibegriff, der den Ausstellungsraum als Bildraum einbezieht. Neben einer Auseinandersetzung mit Farbe, Form und Material erkunden die beiden Künstler auf unterschiedliche Weise mit den Medien Malerei, Film und Performance, auch Themen der Kunst- und Zeitgeschichte sowie Aspekten der Erfahrung und Handlung im Bildakt.

Thomas Kratz – Foto: Bielefelder Kunstverein

THOMAS KRATZ: LOVE
Thomas Kratz versteht sich in erster Linie als Maler. Ausgehend von grundlegenden Themen der Kunst- und Zeitgeschichte, den Bedingungen von Farbe, Form und Material kennzeichnet sein Werk das bewusste Nebeneinander künstlerischer Konzepte. In jüngster Zeit prägte seine Arbeit eine intensive Beschäftigung mit dem Portrait und der Darstellung menschlicher Hauttöne. Dabei versteht Kratz die ungrundierte, offenporige Leinwand als eine Membran. Sie definiert die Grenzen zwischen Innen und Außen, Bild und Betrachter, zwischen Figuration und Abstraktion. Gleichzeitig bringt sie diese ins Fließen. Nur scheinbar gegensätzlich zu seinem malerischen Werk entwickelt Kratz auch Skulpturen und Performances. Mit großer Lust arbeitet er an einer kultischen Überhöhung von Alltagsgegenstände und Umdeutung ikonografischer Figuren, um sie in eigene rituelle, teils surrealistische Spiele im Raum einzubinden.

Thomas Kratz – Foto: Bielefelder Kunstverein

Für die Ausstellung im Bielefelder Kunstverein sind neue Malereien und Wandarbeiten entstanden, welche die Beschäftigung mit dem Körperbild und dem Portrait fortsetzen. Daneben untersucht Kratz die Möglichkeiten einer zeitgemäßen Präsentation von Malerei und setzt diese in einen intensiven Dialog mit dem architektonischen Raum.

Thomas Kratz, geboren 1972 in Waiblingen, lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe und am Royal College of Art in London. Zudem war er Meisterschüler bei Günther Förg an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seine Arbeiten wurden zuletzt in Einzelausstellungen bei Croy Nielsen, Berlin (2010 und 2012) und Kate MacGarry, London (2008), ,sowie im Center in Berlin (2007) und im kunstraum München (2007) gezeigt. Überdies nahm er an zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen teil, unter anderem bei Portrait of Space, Clonlea Studios Co., Dublin (2011), Throwing Three Balls in the Air to Get a Straight Line, Malmö Konsthall, Schweden (2010), Supernature _ an Exercise in Loads, AMP Gallery, Athen (2010) und Günther Förg & Thomas Kratz, behindthewindow, München (2008).

 

Jessica Warboys – Foto: Bielefelder Kunstverein

JESSICA WARBOYS: TAILS

Konkrete Landschaften und die Natur selbst bilden meist den Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeiten von Jessica Warboys. Von großer Bedeutung sind auch biografische Geschichten und die Beschäftigung mit dem kollektiven Gedächtnis. Warboys Malereien, Skulpturen und Filme tragen Spuren der unmittelbaren Umgebung und
performativer Handlungsanordnungen in sich. Natürliche Elemente wie Wasser und Licht, Farbpigmente, unterschiedliche Objekte und Bildträger werden dabei zu eigenständigen Akteuren.

Jessica Warboys – Foto: Bielefelder Kunstverein

Die Künstlerin macht sich die physikalischen Eigenschaften der von ihr verwendeten Materialien zunutze und setzt diese künstlerisch ein, um poetische Bilder entstehen zu lassen.

Im Bielefelder Kunstverein verknüpft Warboys die Geschichte einer Bibliothek, Fotografien und Aufzeichnungender französischen Tänzerin Hélène Vanel aus dem Umkreis der Surrealisten mit raumgreifenden Malereien. Soentsteht ein Essay aus bewegten Bildern, Objekten und Gesten. In Ergänzung entwickelt Warboys, in Zusammenarbeit mit Morten Norbye Halvorsen, für das Eröffnungswochenende die Performance „Vanelephant“, eine szenische Übersetzung ihres zeitgleich erscheinendem Künstlerbuchs. Die Ausstellung im Bielefelder Kunstverein ist die erste Einzelpräsentation der britischen Künstlerin in Deutschland, die derzeit auch auf der dOCUMENTA (13) vertreten ist.

Jessica Warboys, geboren 1977 in Newport (England), lebt zwischen London und Paris. Sie ist Absolventin des Falmouth College of Arts und der Slade School of Fine Art in London. Warboys hatte bereits viele Einzelausstellungen, dazu gehören A Painting Cycle, Nomas Foundation, Rome (2012), Victory Park Tree Painting, Cell Project Space, London (2011), Land and Sea, Le Crédac, Ivry-sur- Seine, Paris (2011), A l’étage, Satellite Series, Maison d’art Bernard Anthonioz – Jeu de Paume (2011), Ballad of the Green Hoop, South London Gallery – eine Live-Filmveranstaltung (2010), und Parasol, Gaudel de Stampa, Paris (2009). Werke der Künstlerin wurden in zahlreichen Gruppenaustellungen präsentiert, darunter die dOCUMENTA (13), Kassel (2012), Au loin, une île!, Frac Aquitaine, Bordeaux, (2011), Madam Realism, Centre for Contemporary Culture, Maastricht, Tableux, Le Magasin, Grenoble, (2011), und The October Show, Limoncello, London (2010).

Bielefelder Kunstverein im Waldhof / Welle 61 / 33602 Bielefeld
Telefon 0521 – 17 88 06
www.bielefelder-kunstverein.de

Speak Your Mind

*