Glashütte Gernheim feiert Jubiläum

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Westfalen – „Hier bin ich gern heim“, soll der Bremer Kaufmann Fritz Schrader ausgerufen haben, als er im Sommer 1811 nahe der Gemeinde Ovenstädt von Bord des Weserschiffes ging auf der Suche nach einem geeigneten Ort für eine Glashütte. Er hatte den richtigen Platz gefunden. Ein Jahr später entstanden die ersten Gebäude des neuen Fabrikortes, der später den Namen „Gernheim“ erhielt und bald zu den bedeutendsten Glashütten in Nordwestdeutschland zählte. Vor fast genau 200 Jahren – am 1. Oktober 1812 – wurde in Gernheim die erste Flasche geblasen. Dieses Jubiläum feiert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Sonntag, 30. September, mit einem großen Fest in seinem Industriemuseum in Petershagen. Von 10 bis 18 Uhr erwartet die Besucher ein prall gefülltes Programm mit Schauvorführungen, Musik und Aktionen für die ganze Familie. Der Eintritt ist frei.

Foto: LWL-Industriemuseum Gernheim

Den Reigen der Redner beim Festakt um 11 Uhr eröffnet LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch. Für ihn ist Gernheim“„damals wie heute ein Ort mit besonderer Klasse und Strahlkraft“. „Zu Beginn des 19.Jahrhunderts glänzte die Hütte durch die Produktion von hochwertigem Glas, das in die ganze Welt exportiert wurde. Das heutige Industriemuseum ist ein Juwel in der westfälischen Kulturlandschaft. Die einmalige Schauproduktion an diesem authentischen Ort lockt jedes Jahr tausende Besucher an. Und die Ausstellungen mit Glaskunst von internationalem Rang haben Gernheim weit über die Region hinaus bekannt gemacht“, so Kirsch.

Foto: LWL-Industriemuseum Gernheim

Beim Fest am letzten September-Sonntag erwartet die Besucher ein Programm mit Vorführungen, Jonglage und Artistik, Improvisationstheater und vielen Mitmach-Aktionen. Den ganzen Tag über werden die Glasmacher des Museums im historischen Glasturm aus der rot glühenden Masse vor den Augen der Besucher Gläser und Gefäße herstellen. Betrieb herrscht auch am Perlenofen, den das LWL-Industriemuseum in diesem Jahr nach antikem Vorbild errichtet hat. Für Technikinteressierte wird die Vorführung der „IS-Maschine“ angeboten. Die Buchstaben stehen für „Individual Section“, die Maschine für den Prototyp der industriellen Flaschenproduktion aus den 1920er Jahren. Einen lebendigen Eindruck erhalten Besucher außerdem von dem fast ausgestorbenen Handwerk des Stoff- und Tapetendrucks mit Holzmodeln. In Gernheim werden damit T-Shirts verziert. Auch beim kunstvollen Korbflechten und Schmieden sind staunende Zuschauer willkommen.

Foto: LWL-Industriemuseum Gernheim

Ebenfalls lohnend ist ein Besuch im Herrenhaus der Glashütte. Im ehemaligen Wohnhaus der Fabrikantenfamilie Schrader ist die Sonderausstellung „Rotation SiO– 200 Jahre Glashütte Gernheim“ der Glaskünstlervereinigung NRW zu sehen. 19 Künstler würdigen in der Schau Geschichte und Gegenwart des Ortes. Alle gezeigten Objekte sind am Ofen der Glashütte in Petershagen entstanden.

Kinder können mit großen Murmelbahnen spielen, auf Ponys reiten oder beim Torwandschießen punkten. Musikalische Jubiläums-Glückwünsche überbringen die Bang Bang-Marching Band und die Musikschule Petershagen. Schwung bringt der Tanzkreis Eldagsen ins Programm. Die lokale Gastronomie versorgt die Festgäste mit Speisen und Getränken. Museumsleiterin Dr. Katrin Holthaus freut sich besonders über das Engagement der Menschen vor Ort: „In diesem Jahr sind viele Vereine aus Ovenstädt mit unterschiedlichen Aktivitäten vertreten. Das zeigt die große Verbundenheit zu unserem Museum.“

LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim / Gernheim 12 / 32469 Petershagen
www.glashuette-gernheim.de

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