Lebendiger Austausch über Erinnerungen

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Westfalen – Vom 21. bis 23. September ist mit  “Tod – Teil des Lebens” das Thema der 5. Nordwalder Biografietage eine echte Herausforderung. Mit biografischer Kommunikation als Methode initiierte und etablierte der Verein 2008 die “Nordwalder Biografietage”, auf denen Lebensgeschichten in Formvon Lesungen, Vorträgen, Gesprächen, Foto- und Kunstausstellungen, Musik-, Film- und Theatervorführung präsentiert werden.

In einer eigenen Ausstellung erinnert die Fotografin Barbara Minty an ihre Erfahrungen mit ihrem Mann – dem Hollywoodstar Steve McQueen

Die dreitägige Veranstaltung mit einem Mix aus prominenten und alltäglichen Biografien begeisterte bisher jährlich mehrere hundert Besucher und wird zunehmend
bundesweit von den Medien wahrgenommen. Ein Grund ist auch, dass es keine vergleichbare Veranstaltungsreihe in Deutschland oder sogar Europa gibt. Wichtig ist demVerein dabei der Dialog: “Biografische Kommunikation ist die Anleitung zum Austausch von Lebenserfahrungen, Sehnsüchten und Ängsten, um sich und andere besser verstehen zu können. Dies soll demEinzelnen den Zugang und die Teilhabe an der Gesellschaft in allen Lebensphasen erleichtern”. Dass das eine lebenslange Aufgabe ist, zeigt sich in der Auswahl der jährlichen Themen.

Noelle Chatelet liest aus ihrem Buch: Die letzte Lektion

In diesem Jahr steht der Tod als ein Thema im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die meisten Menschen verdrängen die Auseinandersetzungmit der Sterblichkeit, bis sie direkt damit konfrontiert werden. Die Liste der Teilnehmer verspricht viele interessante, bisweilen ungewöhnliche, immer aber spannende Perspektiven zu diesem nicht ganz einfachen Teil jedes Lebens. Die behutsame Auswahl und Zusammenstellung des Gesamtprogramms hat sich herumgesprochen, sogar international, und so kann der Verein immer wieder Highlights präsentieren.

So wird die französische Schriftstellerin Noelle Chatelet aus “Die letzte Lektion” lesen. Sie ist in Deutschland vor allem durch ihren Erfolgsroman “Die Klatschmohnfrau”
bekannt. Ihr autobiografischer Bestseller “Die letzte Lektion” handelt vom angekündigten Freitod ihrer 92 jährigen Mutter und löste in Frankreich eine landesweite Diskussion über würdevolles Sterben aus.

Sterben, Tod und Trauer sind seit 1972 Gegenstände umfangreicher Forschung auch in Deutschland. Aus ihnen sind die deutsche Hospizbewegung und die moderne Palliativmedizin entstanden. Prof. Dr. Franco Rest von der Fachhochschule Dortmund hatte daran maßgeblichen Anteil und wurde deshalb mehrfach für seine diesbezüglichen wissenschaftlichen Arbeiten ausgezeichnet (Wissenschaftspreis / Landesverdienstorden NRW). Er ist Mitbegründer die Vereine “OMEGA – Mit dem Sterben leben” und “DELTA – Leben und Sterben in Begleitung”, zahlreicher Hospize und Palliativeinrichtungen in Deutschland und Europa, Vorsitzender der “ALPHA-Stelle, Münster (Pflege Sterbenden, Hospizarbeit, Angehörigenbetreuung), Verfasser vieler wissenschaftlicher Werke. Seit der persönlichen Betroffenheit durch eigene schwere Krankheit und aus dem Blickwinkel eines “pflegenden Angehörigen” bei seiner an Parkinson erkrankten Frau bedient er sich nun der Poesie und der Erzählkunst, um sein Anliegen weiter zu begründen und in anderer Sprache den Menschen nahe zu bringen. Franco Rest wird aus seinen literarischen Arbeiten lesen und den Zusammenhang mit der Wissenschaft und hospizlichen Praxis herstellen.

Beim Tanzstück “kein nullpunkt nie” wird wiederum gefragt,was bleibt,was wirmit uns tragen,wenn die letzte Arbeitergeneration – unsere Eltern – verschwindet. Es fragen:
Die Choreografin Kristina Kreis und die Tänzerin Friederike Erhart in einem Duett, das sich auf die Suche nach der Körperlichkeit der Arbeitswelt des Ruhrgebietes begibt. Das biografische Interview mit dem Stahlarbeiter Horst Kreis lässt verschwindende Arbeitswelten und mit ihnen Körperlichkeiten auftauchen. Arbeit, Körper, Verletzbarkeit des Lebens und Vergehen – darüber verständigen sich zwei Generationen, die jeweils intensivmit ihrem Körper umgehen: Tänzerin & Arbeiter!

Und selbst Hollywood findet den Weg nach Nordwalde. Barbara Minty war 24 und ein sehr erfolgreiches Fotomodell, als sie 1977 SteveMcQueen, eine der größten Schauspiellegenden überhaupt (Die glorreichen Sieben, Papillon, Bullitt, Le Mans etc.) kennenlernte und den 23 Jahre älteren Schauspieler in seinemTodesjahr 1980 heiratete. Sie war die einzige, die privat von ihm Fotos machen durfte, eine Bedingung, die sie folgenschwer amAnfang der Beziehung an Steve McQueen gestellt hatte. 25 Jahre nach seinem Tod schaffte Barbara McQueen es erstmals, sich mit dem Sterben ihres Mannes auseinander zu setzen und die Fotos in einem Buch zu veröffentlichen. Nun kommen 30
dieser Fotos das ersteMal überhaupt als Ausstellung nach Europa, zuerst nach Nordwalde, persönlich von Barbara McQueen vorgestellt.

Gesellschaft für biografische Kommunikation e.V. / Kohkamp 1 /48356 Nordwalde
 Telefon 02573 – 92 07 97
www.biografische-kommunikation.de

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