Punkt für Punkt ein Farbuniversum

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Westfalen – In einer bemerkenswerten Ausstellung zeigt die Münsteraner Galerie Nolte Arbeiten von Hermann-Josef Kuhna, der bereits mit 28 Jahren als jüngster Professor an der Kunstakademie Münster lehrte. Er hat dort eine ganze Riege von Schülerinnen und Schüler inspiriert und auf den Weg gebracht, die in zwischen mit völlig  unterschiedlichen Themen und Sujets, Arbeitsweisen und Stilen in der Kunstszene Aufmerksamkeit erlangt haben. Kuhna ist ein erfahrener Spezialist und „Fuchs“, wenn es um den Umgang mit Farben geht. Und er ist ein bedeutender Lehrer, wiewohl er seinen pädagogischen Anteil am Erfolg seiner Schüler während der jüngsten Vernissage in der Galerie Nolte mal gerade mit etwa 20 Prozent herunterspielte.

Hermann-Josef Huhna: Schönes Böses – Foto: Galerie Nolte

Kuhna gehört unbestritten zu den bedeutenden Künstlern der aktuellen Kunstszene in Deutschland. Sein Oeuvre ist gekennzeichnet durch einen großen Ideenreichtum, eine einmalige strukturierende Gestaltungskraft, ein unvergleichbares Gespür für die Farbe und durch ein präzises und akribisches handwerkliches Können.

Hermann-Josef Kuhna hat sich so eine eigenständige Bildsprache erarbeitet, die sich ganz aus der Wirkung der Farben, ihrer Stofflichkeit und Körperlichkeit entwickelt. Bei ihm entstehen gewissermaßen Punkt für Punkt, Farbklecks für Farbklecks immer neue „Farbuniversen“. Jedes Bild entwirft für sich in einer dem Pointilismus entlehnten Arbeitsweise einen eigenen, autonomen Kosmos, in den der Betrachter aufgefordert wird einzutauchen. Trotz seiner geradezu minimalistischen Arbeitsweise – sie erinnern den Betrachter an die stark vergrößerten Pixel eines Druckes – ergeben sich in den Bildern vielfältige Assoziationen.  Die Galerie Michael Nolte widmet sich nun erstmals in einer großen Einzelausstellung dem komplexen Werk Kuhnas.

Hermann-Josef Kuhna: Befleckte Empfängnis – Foto: Galerie Nolte

Die Malerei Hermann-Josef Kuhnas spielt mit den Wechselwirkungen und Abhängigkeiten der einzelnen Farben und ihren gegebenen Ausformungen als Punkt, Tupfer oder Strich. Es ist ein Prozess, der den einzelnen Farbton in seinem jeweiligen Zusammenhang in seiner Wirkung beeinflusst und verändert, und den der Künstler bewusst nutzt, um mit ihm ganz bestimmte Empfindungen und Zustände auszudrücken. Dabei setzt der Künstler kleinteilige Farbtupfer, -flecken oder kurze Striche mit größter Präzision und Genauigkeit Schicht für Schicht auf den farbigen Leinwandgrund. Im Geiste verbinden sich diese „Formteile“ [Kuhna] zu Strukturen, die Bewegung und Rhythmus stimulieren oder aus denen Ornamente oder Figuren auftauchen. In ihrer Tiefenwirkung verwandeln sich seine Bilder in Farbräume, die – wie in der Musik – unsere Gefühle ansprechen.

Die teils lyrisch-poetisch klingenden oder mit den Wortbedeutungen spielenden Bildtitel, wie »Schönes Böses«, »Tagtraum« oder »Befleckte Empfängnis«, geben Hinweise, welche atmosphärische Stimmung, welche Botschaft der Künstler ausdrücken will. Dabei eröffnen die All-Over-Strukturen vielfältige Assoziationen:

Für den einen mögen sie an eine mikroskopische Welt erinnern, die an sich für uns mysteriös und unsichtbar, erst durch die zig-fache Vergrößerung des Mikroskops visuell erfahrbar wird; für einen anderen wiederum entwickeln sie eine magisch anziehende, psychedelische Kraft, die ihn in das Farbuniversum des jeweiligen Bildes hineinzieht und ihn mit diesem verschmelzen lässt. In ihren Bewegungsströmen und Verwirbelungen lässt sich aber auch die Dynamik und Systematik eines Vogel- bzw. Fischschwarms entdecken oder ihr raffiniertes Spiel aus konkaven und konvexen Wölbungen formiert sich zu Landschaften mit Feldern, Wiesen, Bergen und Tälern. Aber auch seine Passion für Fossilien taucht immer wieder aus den Farbstrukturen auf.

Hermann-Josef Kuhna wurde 1944 in Weißensee-Ottenhausen geboren, studierte von 1964 bis 1969 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei den Professoren Bobek, Arnscheidt und Weber. Mit nicht einmal 28 Jahren erhielt er 1972 den Ruf an die Kunstakademie Münster, an der er bis 2010 als Professor für Malerei lehrte.

Galerie Michael Nolte /Hafenweg 15 / 48155 Münster
Telefon 0251 – 44809
www.galerie-nolte.de

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