Ein Unternehmen sammelt Kunst

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Münster – Mit einem Augenzwinkern macht die neue Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster schon im Foyer auf sich aufmerksam: Dort steht seit einigen Tagen die Skulptur eines fast zwei Meter großen Nikolaus‘, der befremdlich aussieht und vielen Besuchern doch seltsam bekannt vorkommt. Denn der Künstler Martin Honert (*1953) hat den Nikolaus aus seiner eigenen Kinderzeichnung geschaffen: mit schiefem Mund und Nickelbrille. Diesen Nikolaus in der Museumshalle zu treffen, ist die erste von vielen „Unerwarteten Begegnungen“, so der Titel der Ausstellung, die ab 6. November bis zum 25. Februar die Kunstsammlung der Westfälischen Provinzial Versicherung im Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zeigt.

Die Ausstellung „Unerwartete Begegnungen“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur zeigt die Sammlung der Westfälischen Provinzial Versicherung: Kuratorin Dr. Tanja Pirsig-Marshall, LWL-Direktor Matthias Löb, Dr. Wolfgang Breuer (Vorstandsvorsitzender Provinzial), Kuratorin Marijke Lukowicz, Thomas Tenkamp (Geschäftsführer der Kulturstiftung der Provinzial), Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold (v. l.). – Foto: LWL/Neier

Mit der Ausstellung „Unerwartete Begegnungen. Nolde, Kippenberger, Fritsch & Co in der Sammlung der Westfälischen Provinzial“ macht das Museum nicht nur die Unternehmenssammlung, die es als Dauerleihgabe betreut, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt, sondern auch deren Bedeutung als kulturhistorisches Gut für die Region. „Die Westfälische Provinzial unterstützt die Arbeit des Museums, indem sie gemeinsam mit ihm eine Sammlung mit Werken westfälischer Künstlerinnen und Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts aufbaut. Ein solches Engagement ist für eine öffentliche Kulturinstitution heute wichtig und fast unersetzlich“, erklärte LWL-Direktor Matthias Löb.

Stephan Baumkötter, Ohne Titel, 1990, Installationsansicht in der Westfälischen Provinzial Versicherung, Münster, 2017. © Stephan Baumkötter – Foto: LWL/Hanna Neander

Die Ausstellung zeigt rund 140 Objekte von 37 Künstlern, darunter auch Werke von Andreas Siekmann, Reiner Ruthenbeck, und Rosemarie Trockel. Seit den frühen 1980er Jahren baut die Westfälische Provinzial Versicherung zusammen mit dem Museum die Sammlung auf: Stattliche 1700 Werke von der Moderne bis zur Gegenwart umfasst sie zurzeit. Dabei wurde das Augenmerk in den vergangenen 20 Jahren auf die Preisträger des Konrad-von-Soest-Preises gelegt. Den wichtigsten westfälischen Kunstpreis vergibt der LWL seit 1952. In diesem Jahr feiert er sein 65-jähriges Bestehen.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Vielfalt der Sammlung der Westfälischen Provinzial, die nicht nur zur Ausschmückung der Repräsentations- und Verwaltungsräume der Versicherung dient, sondern auch die Sammlungsinteressen des LWL-Museums für Kunst und Kultur verfolgt. Bis auf wenige Ausnahme beschränkt sich die Sammlung auf Werke von Künstlern der Region, die in den meisten Fällen international bedeutend sind. Neben Skulptur und Malerei finden sich auch Werke abseits der klassischen Gattungen wieder: Fotografie, Objekte und Videokunst.

Helmuth Macke, Paderborner Dom, 1921. – Foto: LWL/Hanna Neander

„Die besonderen Kunstschätze Westfalens für die Region zu bewahren – das liegt uns als Regionalversicherer mit unserer fast 300-jahrigen Geschichte besonders am Herzen. Mit unserem Engagement tragen wir dazu bei, Westfalen als bedeutende Kulturregion sowie attraktiven Wirtschaftsraum weiter zu profilieren. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten“, so Dr. Wolfgang Breuer, Vorstandsvorsitzender der Provinzial.

Geometrische Formen und Naturlandschaften, Porträts und organische Materialien, politische Kunst und Studien begegnen sich in der Ausstellung: Skulpturen von Ulrich Rückriem und Timm Ulrichs, Textilarbeiten von Josef Albers, Fotografien von Barbara Klemm und Bernd und Hilla Becher sowie Gemälde von Martin Kippenberger und große Handsiebdrucke von Katharina Fritsch machen die Vielfalt der Sammlung sichtbar und eröffnen unerwartete Perspektiven. Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold: „Anders als in den vorausgegangenen Ausstellungen der Sammlung haben die Kuratorinnen die Arbeiten nicht nach Künstlern geordnet, sondern zeigen erstmals in Münster die Vielfalt der Sammlung anhand von Themen. Es freut mich sehr, dass zum ersten Mal auch die Werke der Klassischen Moderne zu sehen sind.“ Die Kuratorinnen, Dr. Tanja Pirsig-Marshall und Marijke Lukowicz zusammen mit Eline van Dijk, haben die Sammlung seit gut zwei Jahren gesichtet und die Werke ausgewählt, die jetzt in der Ausstellung zu sehen sind.

Die Ausstellung ist auch Anlass, wichtige Schritte in der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Digitalisierung der Sammlung zu gehen – ein Aspekt des Sammelns, der in der Öffentlichkeit wenig bekannt ist. Der Katalog enthält daher neben großformatigen Abbildungen der ausgestellten Werke ein Gesamtverzeichnis des Bestands bis heute. Darüber hinaus wird die Sammlung der Westfälischen Provinzial über die „Sammlung Online“ des Museums sowie im Webauftritt der Versicherung zugänglich gemacht.

Nach den Ausstellungen zuletzt in Ahlen 2008 und im Kloster Corvey 2013 ist die Sammlung erstmals in größerem Umfang im LWL-Museum für Kunst und Kultur zu sehen. Zur Ausstellung erscheint ein umfangreich bebilderter Katalog im Kerber Verlag in deutscher Sprache.

Begleitet werden die „Unerwarteten Begegnungen“ von Workshops, Vorträgen und Konzerten.

Öffentliche Kunstgespräche finden jeden Samstag und Sonntag von 14 bis 15 Uhr statt, am Langen Freitag (zweiter Freitag im Monat) von 18 bis 19 Uhr.

Führungen mit den Kuratorinnen werden an folgenden Terminen angeboten: 6.12., 10.1.18 und 7.2.18 jeweils von 17 bis 18 Uhr.

Zu einem Familientag lädt das Museum am 18.2.18 von 12 bis 18 Uhr ein.

www.lwl-museum-kunst-kultur.de


 

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