Eugen Drewermann: „Luther wollte mehr“

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Witten/Herdecke – Unter dem Titel„Luther wollte mehr“ zieht der Theologe Eugen Drewermann in der Uni Witten/Herdecke am 1. Oktober ab 11 Uhr eine kritische Bilanz nach 500 Jahren Reformation.

Eugen Drewermann zieht in der Universität Witten/Herdecke in einem Vortrag eine kritische Bilanz von 500 Jahren Reformation – Fotos: Barbara Schweinhäuser

Was glaubte Martin Luther und was wollte er erreichen? Wie können wir ihn heute wieder entdecken und neu verstehen? Was würde Luther zum Zustand der christlichen Kirchen sagen? Das sind die Fragen, die Eugen Drewermann am 1. Oktober ab 11 Uhr im Audimax der Universität Witten/Herdecke stellen wird. Er zieht nach 500 Jahren Spaltung der katholischen und evangelischen Kirchen eine schonungslos kritische Bilanz: Haben die Katholiken dazugelernt? Und was haben die reformatorischen Kirchen aus ihrem Erbe jenseits allen Streits und abwegigen Debatten gemacht, was ist ihnen geblieben?

Sein Vortrag geht zurück auf das gleichnamige Buch aus dem Herder-Verlag, in dem Drewermann im Gespräch mit dem Publizisten Jürgen Hoeren seine Sicht auf Luther erschließt, die das Grundanliegen des Reformators wieder ernsthaft in den Blick nimmt: dass der Mensch von Gott vorbehaltlos angenommen und gerecht gesprochen ist. Diesen Kern lutherischen Denkens und seine praktischen Folgen will er wiederentdecken: theologisch, anthropologisch, psychologisch.

Für Drewermann wurde durch Luther etwas bewusst, das innerhalb der Glaubenstradition längst Gegenwart war: statt die Botschaft der Einheit, die Jesus in die Welt bringen wollte, kreativ aufzugreifen und weiterzuführen, haben 1500 Jahre Kirchengeschichte in katholischer Obhut die Spannungen zementiert. „Luther hat, stellvertretend für eine ganze Zeit, in seiner Gegenwart und für die Jahrhunderte danach, diese Zerspaltenheit gefühlt, durchlitten und auf seine Weise zu artikulieren und zu überwinden versucht“, erklärt Drewermann seine Sicht auf Luther. Für Drewermann wäre es historisch unfair, der Person Luther vorzuhalten, dass er am Anfang des 16. Jahrhunderts nicht auf den Neuaufbruch seiner Zeit, auf das ungeheuer Widersätzliche in seiner Zeit, mit einer geschlossenen systematischen Betrachtung antworten konnte. „Er hat es von Fall zu Fall an den Stellen getan, an denen er es evident als notwendig spürte. Darum ist er in meinen Augen in seiner ganzen Biografie nicht im Jahre 1517 am größten, sondern 1521 auf dem Reichstag in Worms. Da vollendet sich der gesamte reformatorische Ansatz.“

Eugen Drewermann, geb.1940, studierte Philosophie in Münster, Theologie in Paderborn und Psychoanalyse in Göttingen, 1966 wurde er zum Priester geweiht und arbeitete danach im Gemeindedienst und in der Studentenseelsorge.

Aufgrund seiner zunehmend kritischen Haltung gegen über der Amtskirche und weil er seine in vielen Belangen von der Kirchenführung abweichenden Meinungen nicht korrigieren wollte, entzog ihm Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt im Oktober 1991 die kirchliche Lehrerlaubnis, dem folgte das Predigtverbot und im März 1992 die Suspension vom Priesteramt.

Eugen Drewermann ist heute als freier Schriftsteller und Vortragsreisender tätig. Seit Jahren gehört er zu den gefragtesten Rednern in Europa, wenn es um Fragen zu Religion, Bibelauslegung, Märchenanalyse oder um das Verhältnis zwischen Tier und Mensch geht.


 

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