Caen Amour: Ironisches Spiel mit Tanz-Acts

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Essen – Trajal Harell, gefeierter Choreograph und Tänzer aus New York, zeigt während der diesjährigen Ruhrtriennale seine Tanzperformance „Caen Amour“. Diese internationale Koproduktion ist nicht wirklich neu und dennoch spektakulär. Sie war schon an verschiedenen Orten auf der Welt zu sehen, aber für die Ruhrtriennale ist sie ein wahres Geschenk. „Caen Amour“ bietet einen ironischen Blick in die Geschichte des Hoochie & Koochies, das einst als Jahrmarktsattraktion in den USA begann und zum Vorläufer des Striptease und zum Modern Dance geworden ist.

„Caen Amour“ – Tanzperformance von Trajal Harrell aus New York

Die Tanzperformance Trajal Harell ist voller ironischer Brechungen und lustvoller Begegnungen, die beim Publikum mit der Lust an der Bewegung, mit Rhythmus und Musik sowie nicht zuletzt mit dessen Voyeurismus spielt.

„Caen Amour“ – Tanzperformance von Trajal Harrell aus New York

Trajal Harell gelingt es im Tanzraum von PACT Zollverein eine Art billiger Jahrmarksatmospäre entstehen zu lassen. Die Zuschauer blicken von vorne auf eine einfach zusammengezimmerte Sperrholzkulisse – und während des Stückes haben sie die Möglichkeiten, einen staunenden Blick hinter die Kulissen zu werfen. Dort sehen sie in eine wild zusammengewürfelte Garderobe, wo sich die Tänzerin und die beiden männlichen Performer vor den Blicken der neugierigen und durchaus gaffenden Zuschauer ausziehen, auch einmal lasziv und animierend wie Tänzer einer Peepshow nackt tanzen und sich dann für ihren Auftritt auf der kleinen Bühne mit zahlreichen, wild zusammengewürfelten, skurrilen Requisiten und Kostümen vorbereiten.

Der Blick hinter die Kulissen verstärkt den spassigen Umgang mit den Versatzstücken des Tanzes und zugleich entlarvt er die Tristesse und die Traurigkeit. So mag es tatsächlich hinter den Kulissen einer jener billigen Hoochie-Koochie-Shows ausgesehen haben – so mag es auch heute hinter den glitzerndes Kulissen jener verruchten Sex-Schuppen aussehen, wo Striptease, Peep-Shows und Pole-Dance geboten werden.

Männer übernehmen die Bewegungen weiblicher Tänzerinnen: „Caen Amour“ – Tanzperformance von Trajal Harrell aus New York

Trajal Harell inszeniert diesen furiosen Durchmarsch durch die Geschichte des sexualisierten Tanzes bis hin zum Catwalk heutiger Modenschauen als ein  sehenswertes und sinnliches Spektakel. Über eine Stunde durchlaufen die Tänzer ihren Reigen von rhythmischen Tanz- und mitreißenden Musikstücken begleitet, die auch das Publikum animieren und begeistern.

Die beiden männlichen Tänzer und Performer übernehmen die Rollen der Tänzerinen und beweisen sowohl Tanzfreude als auch kongeniale Bewegungen, die immer wieder die Versatzstücke des orientalischen Bauchtanzes, die verführerischen Bewegungen ägyptischer und arabischer Tänzerinnen bis hin zum Butoh-Tanz zitieren, imitieren und interpretieren. Es macht viel Spaß den fließenden und erotischen Bewegungen zuzuschauen und sich animieren zu lassen. Die Zuschauer, die voller Neugier von ihren Sitzen aufgebrochen sind, kommen ins Staunen und Gaffen – und sie werden sich zugleich ihres voyeuristischen Blickes in die Intimität der Tänzer bewußt.

„Caen Amour“ reflektiert Geschlechterklischees und Sexismen, Orient- und Okzidentbilder, die die Geschichte des Showtanzes offenbart. Trajal Harell und seine Tänzer und Performer übersetzen den Exkurs in eine Art Hommage und ironisches Spiel zugleich. Unterhaltsam, mitreißend, nachdenklich und anrührend zugleich!


 

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