Der Kiepenkerl-Blog: Donald Trump

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Die amerikanischen Wähler wollten die politische Wende. Jetzt ist sie da und die strategischen Pygmäen aus der Trump-Mischpoke schreiten zur Tat. Doch wegen mangelnder Erfahrung ihres Chefs sammelten sie auf der politischen Bühne reichlich Lehrgeld ein, denn anders als in etablierten Diktaturen ließen sich die Probleme in den USA nicht durch Verbote und Verhaftungen aus der Welt schaffen. Auch durch die Entlassung von nicht linientreuen Staatsdienern kam das Weiße Haus nicht in die Erfolgsspur – ganz im Gegenteil.

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Wahrscheinlich fragt sich Donald Trump jeden Morgen beim Rasieren vor dem Spiegel voller Selbstüberschätzung: Bin ich nur gottähnlich oder bin ich bereits Gottvater der Nation?

Trump geht fest davon aus, dass ihn das amerikanische Volk zur Beherrschung gewählt hat. Dieser Eindruck drängt sich angesichts seiner gönnerhaften Posen in der Öffentlichkeit auf. In Twitter-Nachrichten kann er sich auf griffige Schlagworte und Eigenlob für nicht vorhandene Erfolge beschränken, denn er hält seine Anhänger für begriffsstutzig.

Wer Trump im Wahlkampf zuhörte, wurde an die volkstümliche Aufforderung erinnert: „Vor Inbetriebnahme des Mundwerks ist das Gehirn einzuschalten.“ Doch in diesem Fall kann denken schaden – ihm selbst und dem amerikanischen Volk. Weil er seine Gedanken nicht für sich behalten kann, werden die Hörer oder Twitter-Leser mit seinen unausgegorenen Ideen konfrontiert.

Kein Wunder, dass im Weißen Haus die Keiner-hat-Durchblick-Philosophie regiert. Der auf dem Regierungsparkett unerfahrene Präsident hat zwar Visionen, aber keinen Durchblick und kein Gefühl fürs Machbare. Erst nach mehreren Fehlversuchen ahnt er, was er wollen kann.

Er stellt die Medien als Feinde des Volkes an den Pranger und bezichtigt sie, Fake News zu verbreiten. Wenn die als Beweise angeführten Lügen und Unwahrheiten nicht wegzudiskutieren sind, handelt es sich eben um alternative Wahrheiten. Am Durchmarsch durch die Institutionen und an der Durchsetzung unausgegorener Ideen hindert ihn bis jetzt der Rechtsstaat. Bei der Ausschaltung von Kritikern ist ihm Recep Erdogan deswegen um Lichtjahre voraus.

Durch den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen wurde der Präsident selbst zur Bedrohung. Fakten zählen für den engstirnigen Immobilienhändler nicht. Das beweist die lächerliche Rechtfertigung für den Schritt in die Isolation beim Umweltschutz: „Ich wurde gewählt, um die Bürger von Pittsburgh zu vertreten, nicht von Paris.“ In dieser Begründung steckt die doppelte Unwahrheit. Nicht er, sondern Hillary Clinton wurde in Pittsburgh gewählt und deren Bürgermeister stellte unverzüglich klar, dass sich die Stadt zum Klimaschutz bekennt und sich den von Trump vermittelten Eindruck verbittet. Weitere 30 Städte und rund 100 Unternehmen verfolgen die Umweltschutzziele auch in Zukunft. Inzwischen schlossen sich auch sieben Bundesstaaten zusammen, die das Abkommen von Paris weiterhin einhalten wollen. Trotz aller Fakten erklärt der bornierte Nationalist den Klimawandel für eine Erfindung der Chinesen.

Trumps Abkehr von den Zielen zur CO2-Einsparung wird die Klimakrise verschärfen. Meeresspiegel steigen und führen zu Überschwemmungen, Hitzewellen und Dürren zerstören Ackerland und machen zahlreiche Regionen der Erde unfruchtbar. Die Folge sind Flüchtlingsströme, soziale Unruhen bis hin zu Bürgerkriegen. Durch die vermehrten Hurrikanschäden spüren die Amerikaner den Klimawandel am eigenen Leibe.

Die Klimaschäden spielt der Klassenrüpel mit falschen Argumenten herunter, denn nach seiner Darstellung soll Amerika durch das schlecht verhandelte Klimaschutzabkommen angeblich eine Millionen Arbeitsplätze verloren haben. Diese Behauptung ist zwar publikumswirksam, aber leider völlig aus der Luft gegriffen. Fakten sind eben nicht sein Ding.

Staaten und Unternehmen werden zwar von oben geführt, doch erfolgreich werden sie durch die Ministerien und das mittlere Management, die sich für die Sache ins Zeug legen. Wo dieser Zusammenhang übersehen oder ausgeblendet wird, kann es keine nachhaltigen Erfolge geben.

Trumps konsequente Verachtung der Gewaltenteilung und der guten Sitten im Meinungsstreit zieht sich wie ein roter Faden durch die ansonsten von Unberechenbarkeit gekennzeichnete Amtszeit.

Als Bewunderer von Autokraten treibt er Putins transatlantischen Amoklauf voran, der die Allianz von Europa und von Amerika zerstören kann. Trump merkt gar nicht, dass er das Land durch eine fehlende Strategie zur Umsetzung seiner Wunschträume in die internationale Verzwergung twittert.

Mit Trump verabschieden sich die tief gespaltenen Vereinigten Staaten von der weltweiten Führungsrolle und entwickeln sich zur zweitrangigen Weltmacht – nur in der Rüstung bleibt „America first“.

Kritiker gehen davon aus, dass Trump als Trampeltier (Camelus ferus) im Porzellanladen zur Gattung der Kamele zählt, denn auch diese leben in unwirklichen Sphären.


 

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