Museum für Lackkunst zeigt Diplomarbeiten

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Münster – Vom 4. April bis zum 20. August zeigt das Museum für Lackkunst Diplomarbeiten aus aller Welt. Die Ausstellung „Diplomarbeiten – Paris, Sankt Petersburg, Kanton, Tokio“ ist die erste Ausstellung, die sich mit internationaler Beteiligung der akademischen Ausbildung im Fach „Lackkunst“ widmet. Diese ist weltweit nur an sehr wenigen Kunsthochschulen überhaupt möglich. Einer der wichtigsten Aspekte ist dabei die Vermittlung der traditionellen Techniken eines Landes mit dem Ziel, sie für Gegenwart und Zukunft zu bewahren und schon früh zu ihrer innovativen Interpretation anzuleiten. Tradierte handwerkliche Meisterschaft und individuelle künstlerische Freiheit sollen so in Einklang gebracht werden.

Wandplastik „Hirogaru“ („Die Flügel ausbreiten“) von Yumi Arai, geboren 1989 in Tokio, Diplomarbeit aus dem Jahr 2016

In der Schau wird das aktuelle Niveau der akademischen Ausbildung in diesem speziellen Bereich an fünf Hochschulen aus vier Ländern – Frankreich, Russland, China und Japan – dokumentiert. Dabei wurden nach den Auswahlkriterien Qualität und Aktualität die besten Diplom- bzw. Abschlussarbeiten der Lackklassen aus den vergangenen fünf bis maximal zehn Jahren zusammengeführt. Die einzige mitwirkende Institution aus Deutschland ist das Museum für Lackkunst als Veranstalter, da keine deutsche Kunsthochschule einen Studiengang „Lackkunst“ anbietet. Die Partner, mit deren Unterstützung die Schau realisiert werden konnte, sind:

  • die École nationale supérieure des arts appliqués et des métiers d’art in Paris,
  • die Staatshochschule für Volkskünste in Sankt Petersburg,
  • die China Academy of Art in Hangzhou,
  • die Academy of Fine Arts in Kanton und
  • die Tokyo University of the Arts in Tokio.

Die Ausstellung umfasst 48, mitunter mehrteilige Objekte unterschiedlichen Formats: darunter kleinformatige Kästen, große und kleinere Wandpaneele, eine Reihe von Plastiken in Trockenlacktechnik sowie eine Rauminstallation. Sie sind mit ostasiatischem Naturlack, traditionellem europäischem Öl/Harz-Lack oder modernem synthetischem Lack in einer Vielzahl von Techniken gearbeitet.

Masken im Auftrag des Maison Martin Margiela, Diplomarbeit aus dem Jahr 2015 von Célia Debras, École nationale supérieure des arts appliqués, Paris

Zwei Objekte fallen sofort ins Auge: die Rauminstallation „Hidden“ von Bangliang Yao und die in Trockenlack gefertigte Wandplastik „Spread myself“ von Yumi Arai. Beide Arbeiten veranschaulichen auf bemerkenswerte Weise, wie sehr sich die traditionelle Lackkunst, für die eine profunde Beherrschung spezifischer Techniken erforderlich ist, der freien Kunst und aktuellen Entwicklungen geöffnet hat. Obwohl das Verfahren der Trockenlacktechnik schon in der japanischen Plastik des 8. Jahrhunderts zur Anwendung kam, spielt es in der zeitgenössischen Lackkunst wieder eine herausragende Rolle, wie Arais roter Oktopus aus dem Jahr 2016 in höchst eindrucksvoller Weise dokumentiert. Dagegen sind Rauminstallationen, die den Werkstoff Lack in den Mittelpunkt stellen, ein Novum.

Auf die Frage, ob sie auf ein besonderes Erlebnis in der Vorbereitungsphase zurückblicken könne, antwortet Dr. Monika Kopplin, Direktorin des Museums für Lackkunst und Kuratorin der Ausstellung: „Als besonders beeindruckend habe ich die Gespräche und Begegnungen in den Kunsthochschulen in Hangzhou und Kanton empfunden. Die jungen chinesischen Künstler zeichnet eine große Leidenschaft, eine besondere Bereitschaft zur Innovation und der ausgeprägte Wunsch nach einer Erweiterung des eigenen Horizonts aus.“

Hiroki Arai, geboren 1986 in der Präfektur Saitama, hier abgebildet ist eins von zwei Schmuckkästen „Kusabira“ („Pilz“), Diplomarbeit aus Tokio aus dem Jahr 2014

Die Idee für das Konzept der Sonderausstellung reicht bereits einige Jahre zurück, während die Auswahl der Objekte 2016 vorgenommen und der in sechs Sprachen erscheinende Katalog während des letzten halben Jahres erarbeitet wurden. Das Spektrum der Ausstellung wurde noch während der Vorbereitungszeit erweitert, indem China mit zwei bedeutenden Kunstakademien einbezogen wurde – der China Academy of Art in Hangzhou und der Academy of Fine Arts in Kanton.

Parallel zur Eröffnung, d.h. vom 1. bis einschließlich 3. April, findet ein Workshop mit den Teilnehmern statt. Die Diplomanden werden mit ihren jeweiligen Professoren zur Eröffnung anreisen und am Workshop teilnehmen. Ziel der Veranstaltung ist, einmal mehr, der zeitgenössischen Lackkunst und in diesem Fall den jüngsten Nachwuchstalenten, Anregungen zu vermitteln und ihnen zu ermöglichen, sich zu einem frühen Zeitpunkt international zu vernetzen.

Museum für Lackkunst, Windthorststr. 26, 48143 Münster, Öffnungszeiten Di-So 12:00-18:00 Uhr (Di bis 20:00 Uhr), Tel. 0251/418510, www.museum-fuer-lackkunst.de


 

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