Michael Rickert: „Die Substanz des Nichts“

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Münster – Seine Gemälde sind von einer beeindruckende Tiefgründigkeit. Michael Rickert aus Münster ist ein künstlerischer Tausendsassa. Er genießt es, spielerisch und experimentell mit verschiedenen Techniken umzugehen. Er ist auf der Suche nach neuen Zusammenhängen, neuen Strukturen und nach neuem Sinn. Heraus kommen abstrakte Gemälde, Tafelbilder und Triptychen von atemberaubender Intensität. Das Franz-Hitze-Haus in Münster zeigt unter dem Titel „Die Substanz des Nichts“ vom 12. März bis zum 1. Juni einen Querschnitt aktueller Arbeiten.

Michael Rickert: 16-16-16-12, Öl, Dispersion, Asche, Blei auf Leinwand, 2016

Bei Rickert steht die Neugier im Mittelpunkt. Wie ein Alchemist experimentiert er mit seinen Farben und unterschiedlichen Materialien. Er setzt sie einem fortwährenden Stresstest aus. Rickert ist der zum Meister avancierte Zauberlehrling, der die von ihm gerufenen Geister nicht fürchtet.

Michael Rickert: Kreuz und Quer, Öl, Gouache, Mischtechnik auf Leinwand, 2013

Der reliefartige Charakter der Werke tendiert zum Objekthaften, zum Schaukasten, zum Präparat. Solch eine grenzensprengende Arbeitsweise kennt nicht viele Vorbilder: Die einen denken an Anselm Kiefer, andere an Max Ernst und auch an Joseph Beuys. Bei manchen seiner Gemälde könnte Jackson Pollocks Dripping Pate gestanden haben, die  seriellen Arbeiten stehen den Gemälden eines Gerhard Richter in nichts nach.

Michael Rickert: ES, Öl, Mischtechnik auf Leinwand, 2006

Farbexplosion, Farborgie, Farbenspiel – es gibt gleich mehrere Synonyme, die einem unmittelbar in den Sinn kommen. Wenn man die Arbeiten des Künstlers Michael Rickert zum ersten Mal betrachtet, ist ihre auffallende und sehr spezielle Farbigkeit das Merkmal, das einen unmittelbar anspringt. Meist ist bei den Gemälden die Farbe dick aufgebracht. Bis zu 30 Schichten liegen übereinander, aufgetragen in einem ebenso mühevollen wie zeitaufwendigen Prozess. Das legen alleine schon die mitunter wochenlang dauernden Trocknungszeiten der Farben, Lösungsmittel und Lasuren nahe.

Michael Rickert: Adler refurbished, Diptychon, Öl, Mischtechnik auf Leinwand, 2012 – 2016

Mal arbeitet Rickert mit Ölfarbe wie die klassischen Meister, mal mit Acryl-, mal mit Binderfarbe, vielfach auch mit einer Mischung aus allen diesen. Die Wirkung indes ist verblüffend. Der Betrachter erlebt eine ungeheure Farbtiefe. Die Dreidimensionalität des Farbauftrages korrespondiert je nach Lichteinfall mit einem geheimnisvollen Schimmer und seidigen Glanz, der einen ganz ähnlich wie bei dem Edelstein Tigerauge in einen anderen Raum blicken lässt.

Michael Rickert: Kreuz und Quer, Öl, Gouache, Mischtechnik auf Leinwand, 2013

Räume spielen in den Bildern des Münsteraner Künstlers eine bedeutsame Rolle. Das bevorzugte Farbspiel und das Farbspektrum reichen in vielen Abstufungen vom lichten Grün, über Türkisblau bis zum Dunkelblau. Sie sind die bevorzugten Farbräume des Künstlers. Aus gutem Grund.

Blau, das steht wie wir aus Erfahrung wissen, für Tiefe. Blau erscheint uns das Meer, je tiefer der Grund unter uns liegt. Blau wölbt sich der Himmel über uns, in den wir bei strahlender Sonne so gerne blicken. Blau erscheint uns das unendliche Weltall, das uns umgibt. Der Kosmos. Die Unendlichkeit. Allein durch die Farbe Blau also eröffnen sich uns bereits neue Räume. Neue Dimensionen. Blau lässt uns tiefer blicken. Und dies ist vom Künstler durchaus in einem übertragenen Sinn gemeint.

Der Maler Michael Rickert bei der Arbeit in seinem Atelier – Foto: privat

Der Künstler Rickert befindet sich ganz offensichtlich auf einer Suche – ist beinahe wie ein Getriebener. Noch nie Dagewesenes will er aufdecken, so als wolle er für einen Moment den Schleier über der Wirklichkeit lüften, um einen raschen Blick ins Reich der Metaphysik zu werfen. Er wird angetrieben von seiner Sehnsucht, die Welt zu durchdringen, so als misstraute er als gläubiger Christ der Hoffnung auf ein Jenseits im Himmel.

Michael Rickert fordert in seiner Arbeit immer wieder mit geradezu anarchischer Lust heraus, dass sich die Materialien verändern, wobei immer wieder aus einer metaphysischen Mitte der Schöpfer seine Finger im Spiel zu haben scheint.

Rickert hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert und zwar am Institut für Kunsterzieher in der Abteilung Münster. Seine Lehrer waren die weit über die Grenzen des Landes bekannten Künstler und Professoren: Udo Scheel, Norbert Tadeusz und Jochen Zellmann. Sie haben ganze Generationen von Künstlern auf den Weg gebracht und ihnen Mut gemacht, ihren ganz eigenen Weg zu suchen – wie eben auch Michael Rickert. (Jörg Bockow)

„Die Substanz des Nichts“ – Arbeiten von Michael Rickert: 12. März – 1. Juni 2017

Vernissage: 21. März 2017 um 20.00 Uhr

Franz Hitze Haus / Kardinal-von-Galen-Ring 50 / 48149 Münster

Telefon 0251- 98180

www.franz-hitze-haus.de


 

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