Heinz Wever in Lüdenscheid: Das Wesentliche im Blick

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Westfalen – Heinz Wever (1890-1966), Künstler aus Herscheid, hat ein facetten- und umfangreiches Œuvre hinterlassen. Seinem Werk und seinem Leben widmen die Museen der Stadt Lüdenscheid und die Städtische Galerie nun bis zum 9. Oktober eine eindrucksvolle Sonderausstellung.

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Heinz Wevers „Parasitenzug“ (1924/25, Privatbesitz Werdohl) ist neben anderen Werken des in Altena geborenen Künstlers aktuell in der Städtischen Galerie Lüdenscheid zu sehen – Foto: Rolf Rutzen

Heinz Wever machte sein Abitur am Gymnasium in Altena und begann 1911 sein Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf. Ab 1913 leistete er seinen Militärdienst ab, im Ersten Weltkrieg war
er als Soldat an der Westfront. Nach dem Krieg nahm er sein Studium wieder auf. Schon früh entstanden Bilder mit Motiven aus dem Arbeitsleben des Märkischen Sauerlandes. Bereits in diesen frühen Werken wird sichtbar, was Heinz Wever zeitlebens auszeichnete: der Blick für das Wesentliche. So manches Porträt vermittelt dem Betrachter fast karikaturenhaft Näheres zur abgebildeten Person. Aber auch Sozialkritisches findet sich, etwa in dem Bild „Parasitenzug“ von 1925.

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Heinz Wever, Fahrer bei Markes GmbH & Co. KG; Markes GmbH & Co. KG – Foto: Rolf Rutzen

Im Jahr 1926 arbeitete er als Maler im Auftrag der GeSoLei (Messe für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen), der mit über sieben Millionen Besuchern größten Messe der Weimarer Republik. Wieder standen seine Porträts im Vordergrund. Eine Reihe seiner Bilder wurden im Düsseldorfer Ratskeller ausgestellt.

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Heinz Wever, Plakat „Theodor Duesterberg“ zur Reichpräsidentwahl 1932; Nachlass Wever – Foto: Rolf Rutzen

1926 ging der Sauerländer Wever auf große Fahrt – an Bord der „Vaterland“, eines Viermasters mit 70 Metern Länge und 13 Metern Breite, mit der Graf von Luckner, der durchaus internationale Popularität besaß, eine Weltumsegelung plante. Gleichzeitig hatte das Schiff aber auch eine Musterschau deutscher Waren an Bord, die im Ausland gezeigt werden sollten und Luckner
wollte die US-Amerikaner von den „wahren deutschen Patrioten“ überzeugen.

Wever nutzte die gut einmonatige Überfahrt nach New York, um zahllose Skizzen und Zeichnungen anzufertigen. Drei Jahre blieb er schließlich in den USA. In dieser Zeit organisierte er im Madison Square Garden ein monumental-bombastisches Fest zum 150. Jubiläum der Ankunft General Friedrich Wilhelm von Steubens in den USA. Überdies unternahm er in dieser Zeit auch eine neunmonatige Reise durch insgesamt 39 Bundesstaaten. Auf diese Tour ging er gemeinsam mit dem rheinischen Beststeller-Autor Josef Ponten. Selbstredend malte Wever ohne Unterlass – an einer Wand der Ausstellung finden sich einige Motive mit Indianern, die während dieser Reise entstanden sind.

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Die Städtische Galerie und das Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid – Foto: Stadt Lüdenscheid

Von 1930 bis 1937 lebte Heinz Wever in der Hauptstadt Berlin, wo er unter anderem Plakate für nationalkonservative Organisationen wie den „Stahlhelm“ entwarf, kehrte aber schließlich – die Gründe sind nicht bekannt – in seine Heimat zurück und richtete sich in Herscheid sein Atelier ein. In den Jahren des deutschen Wirtschaftswunders malte er ganze Belegschaften verschiedener
Unternehmen, überwiegend aus dem Lüdenscheider Raum, aber auch Arbeiter der Firma Heitkamp in Herne. Hinzu kamen rührselige Kinderporträts von Söhnen und Töchtern bedeutender Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Insgesamt sind weit mehr als 500 Porträts des Künstlers aus der Arbeitswelt erhalten. Sie sind eine wichtige Quelle für die Industriegeschichte des Märkischen Sauerlandes und darüber hinaus.

Zu den Highlights der Sonderausstellung zählen ein Porträt des Altenaer Landrats Fritz Thomée, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts an vorderster Front für den historisierenden „Wiederaufbau“ der Burg Altena sorgte, sowie ein Bild vom ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss. Die Leihgaben, die die Städtische Galerie und die Museen der Stadt Lüdenscheid zusammengetragen haben, stammen zum Teil aus Privat- und Firmenbesitz, zum Teil aber aus anderen Galerien und Museen. Einige Bilder sind sogar eigens aus Amerika nach Lüdenscheid gelangt. Die Ausstellung verdeutlicht eindrucksvoll, dass Heinz Wever zu den bedeutendsten Malern des Sauerlandes zählt.

„Heinz Wever (1890-1966) – Leben und Werk“ bis 9. Oktober 2016. Städtische Galerie und Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid, Sauerfelder Str. 14-20, 58511 Lüdenscheid, Öffnungszeiten Mi-So 11:00-18:00 Uhr, Mo u. Di geschlossen, Eintritt 5 Euro, erm. 2,50 Euro; umfangreicher Begleitband mit zahlreichen Abbildungen 24,90 Euro; Tel. 02351/171496, www.luedenscheid.de


 

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