Münster: Berthold Socha das Auge Münsters

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Münster – Sein bevorzugtes Medium ist die Fotografie. Noch ganz klassisch und gewissermaßen old-fashioned mit einer Leica aufgenommen, auf Negativfilm gebannt und als Schwarz-Weiß-Foto abgezogen. Berthold Socha ist Fotograf. Der 75-jährige lebt und arbeitet in Münster. Dort ist der umtriebige Mann als das unbestechliche Auge der Region stets präsent. Kaum eine Veranstaltung, wo er nicht mit seiner Kamera auftaucht und ganz unauffällig seine Schnapschüsse macht als benutze er sein Objektiv als Stenoblock.

Berthold Soscha: Köln Art Cologne, 2013

Berthold Socha: Köln Art Cologne, 2013

Sein Blick ist konzentriert und kreativ, dadurch findet er stets den richtigen Moment und den passenden Ausschnitt, die seine Aufnahmen so einzigartig werden lassen. Dabei schießt Socha nicht wie mittlerweile üblich tausende Fotos hintereinander, um anschließend das beste heraussuchen zu können. Er braucht für seine Schüsse kein zusätzliches Licht, keine Scheinwerfer, keinen Blitz und auch keine Aufhellschirme. Socha arbeitet so wie das die berühmten Fotoreporter der Fotoagentur Magnum einst gemacht haben: Spontan und unauffällig, direkt und ohne irgendwelche Inszenierung. Meist bemerken die Abgelichteten nicht einmal, dass sie für einen kurzen Moment im Sucher waren bevor sie auf Zelluloid festgehalten werden.

Ab dem 14. März bis in den September dieses Jahres ist eine feine Auswahl seiner Fotos in einer kleinen Ausstellung in den Büroräumen der Wirtschaftsprüfungsggesellschaft sowie der Steuer- und Rechtsberatung Dr. Schumacher und Partner in Münster zu sehen. Die Eröffnung und Vernissage findet am 14. März statt.

Berthold Soscha: Berlin Karneval der Kulturen, 2010

Berthold Socha: Berlin Karneval der Kulturen, 2010

Die Ausstellung trägt den Titel „Menschen – menschliches“. Zur Ausstellung erscheint ein kleiner ausgezeichneter Katalog, in dem die besonderen Fotos der Austellung aufgehoben sind. Socha-Freund Dr. Helmut Knirim hat dazu einen erhellenden Beitrag beigesteuert, aus dem wir gerne zitieren:

„Wer einen Blick in die Vergangenheit werfen möchte, oder gar nach einem Vergleich zur Gegenwart sucht, muss sich geradezu zwangsläufig mit der Fotografie beschäftigen, besonders mit Bildern der Städte und den darin lebenden Menschen. Es waren Bildreporter wie Cartier-Bresson oder Capa und viele weitere Mitglieder der Pariser Agentur Magnum, die ein Bewusstsein für die Autorschaft von Fotografen weckten. Für sie wurde der Begriff der „Straßenfotografie“ geprägt, einer Form des Ablichtens, die den größten Regieanteil der Wirklichkeit überlässt.

Auch Berthold Socha ist mit einem Großteil seines fotografischen Schaffens diesem Genre verpflichtet. Über mehrere Jahrzehnte ist der Mensch sein vorrangiges Motiv, der Mensch und sein Handeln in unterschiedlichen Situationen, im Alltag, beim Stadtbummel und Einkauf, im Urlaub, bei diversen Freizeitbeschäftigungen, als Teilnehmer und Beobachter bei Großveranstaltungen. Seit einiger Zeit widmet er sich auch vermehrt den Besuchern von Museen und Ausstellungen. (…)

Berthold Soscha: Münster Bauzaun Arkaden, 2006

Berthold Socha: Münster Bauzaun Arkaden, 2006

Die Fotos dieser Ausstellung entstanden zwischen 1980 und 2015 und geben in der Gesamtschau einen geeigneten Einblick in die thematischen Vorlieben des Fotografen, seine Beobachtungen der im öffentlichen, vornehmlich städtischen Raum agierenden Menschen. Die Handelnden werden eingefangen in quasi verdichteten Momenten, schnell und präzise komponiert im Bild. Niemals hat man den Eindruck, die Protagonisten würden posieren. Wir haben es aber auch nicht mit Reportagen zu tun, vielmehr steht jedes Foto für sich. (…)

Berthold Socha ist da, wo was los ist. Neugierig, aber ohne Arg und voller Anteilnahme beobachtet er das Geschehen in der Öffentlichkeit, sei es, dass es sich quasi aufdrängt oder ergründet werden muss. Trotz aller Nähe zu den abgelichteten Personen pflegt er die Diskretion, wie sie in Zeiten des allgemeinen Fotografierens aus der Mode gekommen ist. Socha zeigt uns nicht den frevelnden oder strauchelnden Menschen, er giert nicht nach kompromittierenden Momenten wie das die sogenannten Paparazzi tun.

Es überwiegen Fotos voller Aktion. Socha sucht keine abgezirkelten Räume, keine ruhigen Plätze, er geht dahin, wo Leben ist, Bewegung und Begegnung. Im Mittendrin drängen sich die Motive auf. (…) Im Werk Sochas finden sich auch Landschaften, Panoramen, Architekturen und Straßenbilder, doch es sind primär die Menschen, die als Agierende darin auftauchen, die seinen Blick fesseln. Wenn er sein Motiv entdeckt hat, Gruppen oder Einzelpersonen, wählt er zumeist die Halbdistanz, mitunter auch die für den Fotografen schwierige Nähe, die Konzentration auf das einzelne Gesicht. Er versteht es dabei jedoch, den Abgebildeten liebevoll Raum für ihr Erscheinen zu geben, für ihren spezifischen Ausdruck. Nie wird das Gegenüber manipuliert, denunziert, seziert, er lässt ihm eine konzentrierte Präsenz.“

HLB Dr. Schumacher & Partner GmbH / An der Apostelkirche 4 / 48143 Münster

www.schumacher-partner.de

 

 


 

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