Emsdetten: Arbeiten von Johannes Heisig

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Westfalen – „Gegenüber“ ist die Ausstellung betitelt, mit der der Emsdettener Kunstverein Arbeiten von Johannes Heisig präsentiert. Die sehenswerte Ausstellung ist bis zum 20. April zu sehen.  Mit dieser umfassenden Einzelausstellung würdigt der Emsdettener Kunstverein das vielschichtige und überaus spannende Werk des 1953 in Leipzig geborenen Künstlers Johannes
Heisig – zweifelsohne einem der markantesten und vielseitigsten zeitgenössischen Maler unseres Landes.

Johannes Heisig: Das Ereignis

Johannes Heisig: Das Ereignis

Als Spross der bekannten Künstlerfamilie Heisig im direkten künstlerischen Umfeld der Leipziger Schule aufgewachsen, schlägt Johannes Heisig ebenfalls die Laufbahn des Künstlers ein. 1973 nimmt er ein Studium der Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig auf und arbeitet parallel in der Werkstatt seines Vaters Bernhard Heisig mit. Von 1978 bis 1980 wird er Meisterschüler bei Gerhard Kettner in Dresden. Anschließend übernimmt er eine Lehrtätigkeit an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste. Hier erhält er später einen Lehrstuhl für Malerei und Graphik und wird schließlich von 1989 bis 1991 zum jüngsten Rektor des Landes ernannt. Dieser Weg einer systemkonformen Künstlerkarriere war zunächst naheliegend, der innere und äußere Bruch schließlich aber unumgänglich. Es folgte 1991 der Rückzug von allen öffentlichen Ämtern; seither arbeitet Johannes Heisig als freier Künstler.

Johannes Heisig: Großes Theater

Johannes Heisig: Großes Theater

In seinen Gemälden, Zeichnungen und Graphiken verbinden sich inhaltliche Komplexität und meisterhafte Technik mit offener Freude am Experiment. Seine mit präzisem Blick gesammelten Beobachtungen vermittelt Heisig anhand einer expressiv-impressionistischen Bildsprache: Er schichtet Farben zu apokalyptischen Darstellungen chaotischen Großstadtlebens, zu eindrucksvollen Reflexionen zur deutsch-deutschen Geschichte ebenso wie zu Porträts, Landschaften und Stillleben. Auf diese Weise führt er das realistische Abbild aus dem Vertrauten heraus, verfremdet und transformiert es schließlich – häufig nach monatelangem Übermalen – in etwas für den Betrachter Unbekanntes und Einmaliges.

Der Emsdettener Kunstverein präsentiert rund 50 Arbeiten des Künstlers, darunter zentrale Werke der jüngeren Schaffenszeit – unter anderem aus dem Bilderzyklus Es war einmal, in
dem sich Heisig zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung mit „der Mauer“, dem deutschen Trauma der Neuzeit, aus privater und öffentlicher Sicht künstlerisch auseinandersetzt –,
aber auch zahlreiche Arbeiten jüngeren Datums, die in faszinierender Weise ein neues zunehmendes Interesse an Darstellungen des eigenen Mikrokosmos verraten.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bildet der Bilderzyklus „Crow“, an dem Heisig seit 2009arbeitete. Inspiration dafür fand er in der gleichnamigen Serie von Gedichten des englischen Dichters Ted Hughes (1930-1998), die dieser erstmals 1970 publizierte. Leitmotiv beider Arbeiten ist die Krähe, in der die Künstler die menschlichen Abgründe, Grausamkeiten und Leiden des modernen Daseins verkörpert sehen. Während Hughes mit literarischen Mitteln die Schrecken der menschlichen Existenz aufzeigt, bedient sich Heisig bildnerischer Mittel zwischen
Zeichnung und Malerei: Papier, Kohle, zeitweise sogar Grillkohle, schwarze und weiße Farbe und die Rasierklinge nutzt er, um gewollt ungeschliffene, raue Bilder zu schaffen. Die
so entstandenen 17 großformatigen schwarz-weiß-Arbeiten und 10 Lithografien geben dem Dunklen, Triebhaften und den Problemen, die aus der modernen Lebensweise erwachsen, Ausdruck.

Halb Vogel, halb Mensch, teuflisch und göttlich anmutend zugleich, repräsentiert die Krähe den neuzeitlichen Menschen, unfähig Beziehungen zu führen, unwillig Verantwortung zu übernehmen und stets auf der Suche nach der Verbesserung seiner Lebensumstände. Heisigs Bilder evozieren beim Betrachter Faszination und Schaudern zugleich und bilden damit
das bildnerische Gegenstück zum lyrischen Vorbild.

Der Tannhäuser-Zyklus, ebenfalls Gegenstand der Ausstellung, entstand 2013, im Rahmen des Richard-Wagner-Jubiläumsjahres. Er beschäftigt sich ähnlich wie der Crow-Zyklus mit
inner-menschlichen Konflikten: Die Suche nach der eigenen Identität, die Entscheidung, sich gesellschaftlichen Konventionen zu unterwerfen oder doch entgegen diesen das eigene Ich
auszuleben sind Themen, die die 10 Lithographien beleuchten.

Schon seit vielen Jahren geht Johannes Heisig als Künstler seinen ganz eigenen Weg. Er ist hochgeschätzter Porträtist, begnadeter Stillebenmaler und Geschichtenerzähler, sieht dabei die
Kunst aber immer in der Verantwortung, mehr als nur die Oberfläche zu betrachten. Die umfassende Schau im Emsdettener Kunstverein reflektiert die ganze Bandbreite dieses vielseitig denkenden und arbeitenden Künstlers und bietet den komplexen Werken, die erlebt und durchdacht werden wollen, einen geeigneten Raum.

Die Ausstellung kann donnerstags und freitags von 16.00 bis 20.00 Uhr, samstags von 15.00 bis 18.00 Uhr und sonntags von 11.00 bis 18.00 Uhr besichtigt werden.

Der 1983 gegründete Emsdettener Kunstverein verfolgt das Ziel, moderne Kunst nicht nur der Öffentlichkeit zu präsentieren, sondern auch zu fördern. So werden neben arrivierten Künstlern auch immer wieder viel versprechende junge Künstler ausgestellt. Jedes Jahr werden drei Ausstellungen gezeigt.

Kunstverein Emsdetten / Friedrichstraße 3 / 48282 Emsdetten
www.emsdettener-kunstverein.de


 

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